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Friedrichshafen. Messerückblick.

Knapp 2 Wochen war ich nun unterwegs. An-Abreise, Auf- Abbau und neun Tage in der Halle. Ein Rückblick.

Gestern auf der Autobahn zwischen Lindau am Bodensee und Hamburg: alle 30 Minuten überhole ich Autos mit Hängern, auf denen Boote stehen oder Bootswerbung geklebt ist. Zwischendurch auch mal eine J70 mit Bundesliga Aufkleber. Viele norddeutsche Wassersportler, Händler, Werften und Co. waren auf der Rückreise. Kein Wunder: In Friedrichshafen endete am Sonntag die Bundesliga und die Interboot.

Zunächst mal das Positive am Rückblick: Ich habe in Friedrichshafen wieder einmal viele Leser des Blogs, Buches und Facebook Kontakte kennen gelernt. Es ist immer wieder schön, Menschen im realen Leben zu treffen. In Friedrichshafen war das eine bunte Mischung aus vielen Schweizern, Österreichern und Süddeutschen. Solche Treffen machen immer wieder Spaß. Genau wie die bekannten Gesichter unter den Ausstellern – irgendwie hat das was von Wanderzirkus.

Friedrichshafen ist ein schöner Ort, um nach den Messetagen zu entspannen. Am See sitzen, ein Bier trinken oder auch sonst die gastronomischen Vorzüge des Südens zu genießen – herrlich. Und so spricht auch jeder Aussteller, den ich traf, über die Messe: Das Drumherum ist fantastisch.

Zur Messe selbst: Die neuen Hallen sind die schönsten, die ich bisher gesehen habe. Lichtdurchflutet, modern und ein angenehmes Luftklima. Der Messesee draussen steht dem in nichts nach. Dort zu sitzen, zu segeln, auf dem Wakeboard ne Runde zu drehen oder auf dem SUP – es gibt schlimmeres. Das Messeteam gibt sich viel Mühe, WLAN ist kostenlos (Hallo Hamburg und Düsseldorf!) und selbst die die Parkwächter sind hier freundlich (Hallo Berlin!).

Ansonsten ist es halt eine Messe. Und die leben von Besuchern und Ausstellern gleichermaßen.  Bis zur Wirtschaftskrise 2008 hat das gut funktioniert. Danach gingen die Besucherzahlen runter, und mit ihnen die Aussteller. Und so ist es auf der Interboot nicht anders, als auf anderen Messen auch. Segelhallen werden mit Weinhändlern, Whirlpools, Kaminen und anderem Zeugs, das nichts mit Booten zu tun hat, gefüllt. Das kann man verstehen, schliesslich sind halbleere Hallen der Horror jeder Messe.

Bootsaustellung?
Bootsaustellung?

Schwer zu verstehen ist angesichts der Besucherrückgänge die Dauer der Messe. 9 Tage. 2 Wochenenden, die gut besucht sind – und dazwischen Brückentage, die mit Schulklassen und Freikartenbesitzern gefüllt werden. Und so sieht man von Montag bis Freitag nur vereinzelnd Besucher. Die Aussteller sitzen gelangweilt (das kann man verstehen) auf ihren Ständen und vernichten ihre eigenen Kekse.

Huch - da ist jemand!
Huch – da kommt jemand!

Irgend jemand stellte am vergangenen Mittwoch die These auf, dass “heute nur Aussteller und Messeleute der anderen Messen unterwegs” seien. So kam es einem auch ein wenig vor.

Das Thema Verkürzung macht schon seit Jahren die Runde. Verkürzt wurde jedoch nie. Auch wenn das in den Ausstellerbefragungen anscheinend sehr viele (die meisten?) ankreuzen.

Ich stand diese neun Tage direkt am Haupteingang. Dort sieht man ob viele Besucher kommen, wann sie wieder gehen und was sie kaufen. In der Woche kommen wenige, gehen früh und unterm Arm hatten die meisten entweder Tüten mit Prospekten oder Snowboards bzw. Skier.

Wie viele von den 80.000 Besuchern sind dann “echte” Wassersportler?  Wie viele sind Schüler, Pfadfinder, Snowboarder?

Die Frage, die sich vielen stellt: Sollte man nicht auf 5 Tage verkürzen? Manche sagen bereits, sie würden sogar die gleiche Standmiete zahlen. Aber man spart Übernachtungskosten, Spesen und vor allem Tage, in denen man manchmal glaubt, dass bald überhaupt niemand je wieder auf eine Messe geht.

Erwartungsgemäß konnte man gestern wieder die obligatorische Pressemitteilung lesen, in der von “guter Stimmung” und “positiver Schlussbilanz” trotz weniger Besucher gesprochen wurde. Diese Mitteilungen kennt man. Sie erinnern einen mittlerweile an die Statements  nach Wahlen, in der alles immer toll ist und jeder sich als Gewinner sieht – sogar die FDP. Zu den Mitteilungen werden auch gleich die Fotos gepackt, die seit Jahren immer mit langer Brennweite geschossen werden. Auf Besucher eines Standes. So macht es dann dein Eindruck, als sei es teilweise richtig voll gewesen. Weitwinklige Aufnahmen aus den Hallen sieht man kaum noch. Sie würden jedoch die Realität zeigen.

Für niedrigere Besucherzahlen gibt es auch Gründe aus dem Baukasten: Mal ist es das schöne Wetter, mal das schlechte. Mal streiken die Lokführer, dann ist wieder was anderes.

Bringen diese 9 Tage also noch was? Wäre eine Verkürzung nicht sinnvoll? Das die Branche rückläufig ist, weiss jeder. Daran ändern auch Erfolgsmeldungen nicht, die eigentlich keine sind.

Ich selbst bin gefragt worden, ob ich nächstes Jahr wieder komme. Mache ich gerne – nur ob ich mir die Tage unter der Woche antue, weiss ich nicht. Es ist für einen Vortragenden ziemlich bitter, einen Vortrag ohne Besucher zu beginnen. Ab und zu bleibt mal einer stehen und schlägt die Zeit tot. Das geht nicht nur mir so. Das hört man auch von den anderen. Zitat eines Vortragenden: “Bei mir saß heute ein einziger hinten in der Ecke und hat mit den Augen geknibbelt”.

Vielleicht sollte man wie auf dem Schild unten den Schimmel solcher Messen mal entfernen – und das sind halt diese zähen Wochentage. Und nein – es ist nicht alles schlecht. Es gibt auch zufriedene Händler, die gute Aufträge schrieben oder “gute Gespräche” führten. Aber das würde laut vieler Aussagen auch an weniger Tagen klappen.

Nun freue ich mich auf Hamburg, und hoffe, dass dort alles besser wird.

In Halle A2 - Zubehör
In Halle A2 – Zubehör