Rumpf folieren: Fragen und Antworten.

Moin.

Es haben sich auf Facebook und auch hier einige Fragen zum Thema folieren von Booten ergeben. Ich beantworte sie mal:

Vorab schon mal vielen Dank an Claudia und Norbert Renz von Renz-Yachting, dass wir das in der saubersten Bootshalle der Welt machen durften. Danke!

Und dann: Danke Thorben und Martin von marinefolien.de. Ist super schön geworden. Bin total glücklich mit der Optik.

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1. Kommt es bei der dunklen Farbe nicht zu starker Erwärmung des Innenraums?

Also, zunächst mal: der Rumpf wurde foliert, nicht das Deck. Aber auch dann wäre das kaum eine Schwierigkeit ausser man läuft barfuß rum. Ansonsten liegt das Boot ja im Wasser, und dort ist es selten über 20 Grad warm. Der Rumpf wird also zunächst mal gekühlt. Dazu fällt die Sonne ja meistens nur indirekt auf dem Rumpf. Vor allem bei meiner Rumpfform. Und selbst wenn es mal innen heiß wird: bei so einem Wetter hocke ich ja nicht innen im Boot. Warum sollte ich das machen? zum kochen – und den Vorteil habe ich – gehe ich bei Sommerwetter eh ins Cockpit oder an Land. Und wenn es richtig heiss ist, kommt mein Baumzelt immer zum Einsatz.

Schön dunkel.
Schön dunkel.

Im Boot bin ich, wenn ich schlafe. Dann ist es dunkel. Und da heizt sich nichts auf.

Ausserdem segeln ja schon immer auch schwarze und dunkelblaue Yachten rum. Ich finde, die Eigner sehen nicht aus wie gegart.

2. Ist so eine Folie nicht schrecklich empfindlich gegen Schrammen?

Boote sind generell empfindlich – egal ob Gelcoat, Lack oder Folie. Wenn ich mir in eine lackierte Yacht eine Kitsche fahre, sehe ich das auch. Bisher habe ich mir noch keine Macke ins Boot gefahren. Sollte das mal passieren, dann habe ich Folie an Bord und kann das selbst ausbessern. Folienstücke zum ausbessern bekommt man bei den Jungs von marinefolien.de umsonst nachgeliefert.

Strapazierfähige Spezialfolie
Strapazierfähige Spezialfolie

Aber das gleiche gilt bei allen Booten. Wenn ich mir in meinen lackierten Rumpf eine Schramme fahre, ist das mit erheblich mehr Aufwand verbunden. Ich kann ja bei ATU schlecht nen Lackstift kaufen…

Die Folien selbst halten ziemlich was aus. Es sind ja extra für solche Zwecke gefertigte Spezialfolien. So schnell gehen die nicht kaputt.

3. Reissen die Folien nicht? In einem Bootsrumpf ist ja immer Bewegung und Verwindung.

Nein. Die Folien sind – übrigens wie Lacke – ziemlich elastisch. Sonst würde man sie auch gar nicht so glatt aufziehen können. Sogar auf Holz funktioniert das.

4. Welchen Nutzen ausser Kosten soll so eine Folierung haben?

Diese Frage wurde mir nun bereits 3 mal gestellt. Gegenfrage: Welchen Nutzen hat ein eigenes Boot? Wenn ich mein ganzes Leben nur an Nutzwerten ausrichten würde, käme ich mir wie eine freudlose, arme Sau vor.

Aber es gibt in der Tat einen Nutzwert: Schutz des Gelcoats. Die Folie soll 5-6 Jahre halten. Wenn ich danach alles wieder runter mache, sieht DIGGER darunter aus wie neu. Das sollte sich vor allem auf dem Gebrauchtmarkt von Vorteil erweisen. Übrigens ein Vorteil gegenüber einer Lackierung. Die kann ich nicht mehr rückgängig machen.

anthrazit matt metallic
anthrazit matt metallic

Oder man lackiert neu.

Ansonsten ist mein Nutzwert: Freude an geiler Optik!

5. Kann ich auch mein altes Boot folieren?

Kann man, aber das hängt vom Zustand ab. Folien verzeihen keine Unebenheiten. Jedes kleine Haar und jedes Staubkorn sieht man darunter. Daher sollte der zu folierende Untergrund wirklich glatt sein.

Am besten die Jungs mal zu seinem individuellen Boot fragen: info ätt marinefolien.de

6. Was kostet so etwas?

Ich habe versucht, den Jung einen Laufmeterpreis aus der Nase zu ziehen. Machen sie nicht. Zu recht. Denn jedes Boot ist anders. Jede Folie anders und jeder Anfahrtweg. In jedem Falle ist es deutlich günstiger als eine Lackierung. In meinem Falle kostet alles zusammen rund 1.100 Euro inkl allem.

7. Wie lange hält das?

Martin und Thorben geben 5-6 Jahre auf die Haltbarkeit der Folien. Natürlich nicht auf Schrammen etc. Das ist bei Gelcoat und Lack aber nicht anders. Jedenfalls nicht auf Schrammen und so weiter.

matt und glatt
matt und glatt

Letzlich ist alles eh eine Frage der Behandlung. Manche Boote sehen nach 30 Jahren noch aus wie neu – andere nach 2 Jahren wie Seelenverkäufer. Pflege ist natürlich eine Grundvoraussetzung.

8. Welche Materialien können foliert werden?

GFK, Holz, Alu (in den meisten Fällen) und Stahl – also genau genommen alle Schiffe.

Holz kann man auch in die dicke 200u Schutzfolie einpacken. Wir haben das an einem Stück ausprobiert – sieht aus wie lackiert.

Die Folien atmen, d.h. sie sind minimal luftdurchlässig. Darunter gammelt also nix.

9. Kann man auch das Unterwasserschiff folieren?

Ja. Es gibt auch Folien für den UWS Bereich. Martin und Thorben lassen derzeit allerdings noch die Finger davon, wegen mangelnder Langzeiterfahrung.

10. Wird beim schneiden der Folie nicht das Gelcoat beschädigt?

Nein. Die Folie wird mit einem Kevlar-Schneidefaden geschnitten, der vor der Folierung an den Schnittkanten aufgetragen wird. Hört sich einfach an – ist aber

Kevlar Faden zum schneiden.
Kevlar Faden zum schneiden.

komplizierter als man denkt, weil an Stoßkanten mehrere Fäden in Reihenfolge übereinander und nebeneinander geklebt werden. Ziemlich geniales System.

 

9 Gedanken zu „Rumpf folieren: Fragen und Antworten.“

  1. Wenn du eine Schramme in die Folie fährst, dann siehst du zwangsläufig die ausgebesserte Stelle/Naht o.ä.
    Bei einem lackierten Rumpf gibt der Lacker (wenn es ein Guter ist) immer einen passenden professionellen Lackstift dazu. Den Kratzer im Lack kann man leicht ausbessern (schleifen, ausbessern, polieren). und du siehst zu 99% nachher absolut keinen Unterschied. Ok, so eine Lackierung ist auch deutlich teurer, muss also auch einen Vorteil haben ;-)

    1. Ich habe in meinem Leben noch nie gesehen, dass man eine mit Lackstift behandelte Stelle nicht mehr sieht. Wenn Du ordentlich klebst, dann sieht man eine kleine Naht, mehr nicht. Schrammen sieht man generell immer.
      Und wenn Du professionell die Folie ausbesserst, kommst Du bei genau den 99% an.

      1. Gebe Dir recht, wenn ein Laie das im Selbstversuch macht geht es schief. Ein gestrichener oder aufgetupfter Lack auf einer zuvor fachmännisch gespritzt Fläche fällt immer auf. Schrammen damit beseitigen zu wollen, ist zum scheitern verurteilt.

  2. aha …“9. Kann man auch das Unterwasserschiff folieren?

    Ja. Es gibt auch Folien für den UWS Bereich. Martin und Thorben lassen derzeit allerdings noch die Finger davon, wegen mangelnder Langzeiterfahrung.“

    also wenn ich es richtig verstehe sieht es nur schön aus hat aber keinen praktischen Vorteil. Du hast also wie bei jeder anderen Yacht das Problem mit Bewuchs, und den regelmäßigen Sanierungsarbeiten im UWS.

    Danke für die Infos !

    1. naja oder man muss den Prozess so vereinfachen und verbilligen, dass man nach der Saison einfach die Folie abzieht und weg ist der Bewuchs.
      Vergleich wie bei den Formel 1 Rennfahrern, die immer eine Schicht Folie vom Visier abziehen.

      1. Umweltterrorist.
        Alle anderen reiben den Bewuchs mal eben ab, ferdich. Aber man kann natürlich auch jedes Jahr acht Quadratmeter unverrottbaren Müll produzieren, unabhängig davon, dass die körpreliche Arbeit um einiges über malern und abwischen geht.
        .
        Regattasegler putzen ihr Unterwasserschiff vor JEDEM Rennen, selbst Fahrtensegler gehen da nicht nur einmal im Jahr drunter.
        Eine bessere Bremse, als ein bewachsenes Unterwasserschiff gibt es ja kaum.

        Folieren wird aber gehen, wahrscheinlich ist die Folie schon da.
        Es wird Querverbindungen geben, an die heute noch keiner denkt. Die Jungs, die bei Olympia im Snowboardabfahrtslauf allen anderen davon gefahren sind, waren mit einer Industriefolie unterwegs, mit der Abwasserrohre vor aggressiven Medien geschützt werden. Mit Sicherheit gibt es die Folie fürs Unterwasserschiff längst.
        Ich wäre dann gerne dabei, wenn jemand überkopf unterm Trailer mit der Folie rumhantiert oder den ganzen Kahn erstmal drehen muss, während alle anderen, die nur mal eben für ein Stündchen ihr Unterwasserschiff rollen, längst wieder in der Sonne sitzen oder segeln gehen.

        VG Eric

  3. Hallo,

    sie schreiben „Die Folien atmen, d.h. sie sind minimal luftdurchlässig“. Wssen sie um welches Material es sich hierbei handelt? Ist es PVC gegossen oder ein anders Material, welche Art von Kleber wird verwendet?

    Ich habe bis dato, keinen gefunden der eine solche Folie anbietet.

    MfG
    Evangelos

  4. Habt ihr schon mal ein Deck mit Folie bezogen? Habe ein Dehler 22, da sind ja Laufflächen und angeraute Oberflächen geht das auch?
    BG Bernd

  5. Als Malermeister mal was zu dem Thema. Folien setzen sich auf dem Markt immer mehr durch. Siehe Taxis. Diese werden lackiert ausgeliefert zumeist in einer trendigen Farbe und dann foliert. Vorteil, wenn die Folie runterkommt ist der Lack praktisch jungfräulich. Atmet eine Folie? Nein, eine Lunge hat die ja nicht, wohl aber ist die Folie, wie auch fast jeder Lack diffusionfähig, soll heißen, Wasser in Form von Wasserdampf kann raus, Wasser aber nicht rein und auch nicht raus. Also nasses Holz zu folieren wäre blöd, da das Holz darunter gammelt und die Folie Blasen hätte, dito bei Lack, der dann aber auch abplatzen würde. Untergründe: Egal ob Lackieren oder folieren, Beulen, Dellen, Schrammen verzeiht weder der Lack noch die Folie. Es sieht einfach nur mies aus. Die Tendenz zu Mattlack ist auch und gerade bei Autos fast vorbei. Der Lack ist ungleich empfindlicher als ein glänzender.
    Also ich bin gegen Folien, ist ja Geschäftsschädigend ;-) die Vorteile sind aber nicht von der Hand zu weisen.

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