Segeln lernen – aber wie?

Vor allem seitdem mein Buch auf dem Markt ist werde ich von Lesern öfters gefragt, wie man denn mit dem Segeln beginnen kann. Gestern schrieb mir wieder jemand (Hallo Benjamin!), der eine Auszeit nehmen und segeln lernen will. Ich bin wirklich kein Experte oder Segellehrer, möchte dennoch Tipps geben, wie man zumindest beginnen kann und was man zum segeln eigentlich braucht. Bzw. was mir dazu einfällt. Die ganze Sache ist eigentlich so einfach, wird aber in der Praxis sehr gern verkompliziert.

Bootsführerscheinportal
Bootsführerscheinportal zum online lernen

Zunächst mal freue ich mich, dass auch viele Nichtsegler und vor allem ganz viele junge Leute hier auf der Seite rumlungern und das Buch lesen. Für Euch meine ganz subjektiven Tipps.

 

Vereine und Scheine (jetzt wirds heikel)

Der klassische Weg geht wohl über Vereine und Schulen. Die findet man eigentlich überall dort, wo Wasser ist. Meistens direkt an den Stegen. Dort kann man natürlich auch das Segeln lernen. Und in den meisten Fällen auch Scheine machen. Man braucht – zumindest auf der Ostsee, wenn man ein Boot unter 15 PS steuert – zwar keinen Schein, aber schaden kann ein Lappen nichts.

Nehmt Euch bei der Wahl der Schule oder des Vereines Zeit. Da gibt es erhebliche Unterschiede. Geht hin, sprecht mit denen und dann schaut, ob das für euch passt. Denn wie in anderen Bereichen auch: es gibt gute und schlechte Schulen.

Ich habe letztes Jahr bei einer Mitfahrgelegenheit einen Mann kennen gelernt, der eine Hütte in Schweden an einem schönen kleinen See besitzt. Da er aus Berlin kommt, ging er zu einer Segelschule am Wannsee. Er wollte wissen, was er braucht, um auf dem schwedischen See mit einer kleinen Jolle zu segeln. Er konnte mir nicht sagen, welche Scheine dort angesprochen wurden, aber die Schule meinte, er müsse (!) drei (in Worten: Drei!) Scheine machen. „Irgendwas auf dem See, dann auf dem Meer und noch einen anderen. Ich habe mir aufgrund dieser Aussage zusammen gereimt, das man ihm SBF (Sportbootführerschein) See, SBF Binnen und den SKS aufschwatzen wollte. Er hatte keine Lust dazu und liess es danach ganz sein. Wenn euch jemand so etwas aufbrummen will, dann sucht bitte sofort das Weite. Das ist nicht nur falsch – das ist echtes Arschlochverhalten.

Überhaupt scheint das alles ziemlich verwirrend zu sein. Manche haben die Information, dass man ohne Schein nur 3 Meilen von der Küste weg darf (Blödsinn) oder nur innerhalb Deutschlands segeln darf (Noch mehr Blödsinn). Das mit den 3 Meilen hatte mir auf der Düsseldorfer boot jemand erzählt – das hätte man ihm in einer Schule gesagt.

Onlinekurse

Kurse könnt ihr übrigens auch ziemlich gut online machen. Die meisten Websiten machen jedoch keinen echten Kurs, sondern stellen nur die Prüfungsfragen zur Verfügung, die man dann stumpf auswendig lernt. Auf der Plattform Bootsführerschein-Portal könnt ihr die ganze Theorie nicht nur lernen, ihr bekommt sie auch anschaulich erklärt. Und könnt sehr praxisnah mitmachen. Dort wird euch auch eine Schule in der Nähe zugewiesen.

Welche Scheine braucht man überhaupt?

Auf Küstengewässern prinzipiell keinen. Unter 15 PS Motorisierung besteht keine Führerscheinpflicht. Darüber hinaus braucht man den SBF See.

Auf Binnengewässern ist die Lage etwas komplizierter. Da gibt es den SBF Binnen, für manche Gewässer braucht man aber Lizenzen, z.B. der Bodensee verlangt noch ein Bodenseeschifferpatent. Und auf Berliner Gewässern wird ab 3 qm Segelfläche ein Schein verlangt. Fragt am besten vor Ort nach.

Man kann sich das Segeln auch selbst beibringen oder durchs mitsegeln lernen. Alles möglich. Grundsätzlich gilt aber: Bevor man es eigentverantwortlich macht, sollte man es können. Damit man sich und andere nicht in Gefahr bringt. Gerät man nämlich mal in Gefahr, müssen andere Menschen einem helfen. Das sollte man immer bedenken.

Das beste, was ich zu diesem Thema mal gehört habe, war die Aussage eines alten Dänen, mit dem ich mich mal darüber unterhalten habe. In Dänemark gibt es keine Führerscheine für Segelboote. Er sagte mir: „Wir machen das nicht, wenn wir das dürfen. Wir machen das, wenn wir das können.“

Mitsegeln

So hab ich das gelernt. Aber nicht jeder kennt jemanden, der ein Boot besitzt und einem das beibringt. Es gibt aber zahlreiche Möglichkeiten, dennoch auf fremden Schiffen mitzufahren. Wenn man bei Google „Schnupperkurs Segeln“, „Mitsegeln“, „Hand gegen Koje“ oder „Kojencharter“ eingibt, bekommt man Ergebnisse. Manchmal auch echt gute ;)

Keine Atomphysik

Egal wie ihr beginnen wollt: macht es. Segeln ist das schönste Hobby der Welt. Du kannst ein Boot als Entspannungsbude nutzen oder als Funsportgerät. Du kannst über ruhiges Wasser dümpeln oder Dir von hohen Wellen richtig auf’s Maul geben lassen. Gebrauchte Boote kosten nicht mehr als ein gutes Fahrrad. Und segeln ist auch nicht viel schwerer als Radfahren. Lasst euch von den ganzen selbsternannten Salzbuckeln und Bedenkenträgern nichts einreden. Grundkenntnisse lernen und dann nach und nach an mehr herantasten. Segeln kann wie Radfahren und zu Fuß gehen natürlich auch durchaus gefährlich sein. Aber wenn man sich selbst und anderen gegenüber rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst an die Sache rangeht, ist es so simpel wie Kuchen backen.

Hier findet ihr übrigens ein paar Filme zum Thema segeln lernen.

 

Mein persönlicher Tipp

Wenn ich noch mal anfangen müsste, dann wüsste ich wie: Ein paar Tage Urlaub an einem schönen Ort und dort einen Kurs belegen. (Achtung – persönlich ernst gemeinte Werbung für einen Freund) Ich persönlich würde es bei Jan Liehmann machen, der seine Segelschule Attersee am gleichnamigen, 21 Km langen See in Österreich betreibt und solche Schnupper- und Intensivkurse durchführt. Schöne Pensionen gibt es auch vor Ort. Jan habe ich bei der Einweisung des Parasails kennen gelernt. Als ich erfuhr, dass ein österreichischer Segellehrer diese Einweisung gibt, hab ich Angst bekommen. Aber Jan hat meine völlig unbegründete Meinung zu österreichischen Segellehrern widerrufen. Ich kann ihn nur empfehlen. Ausserdem hat er mir mal gesagt, dass man am Attersee „von Wirt zu Wirt“ segeln kann, was die ganze Geschichte noch schmackhafter macht.

Erste Schritte

Wie geht’s weiter, wenn man einen Kurs oder Schein gemacht hat? Auch da gibt es sehr vielfältige Möglichkeiten. Ich würde aber immer dazu raten, sich im Anschluß z.B. mit einer Jolle auf einem geschützten Binnensee auf die eigenen Füße zu wagen. Es ist ein großer Unterschied, ob man alleinverantwortlich unterwegs ist oder unter Anleitung. Dieser Schritt war – jedenfalls bei mir – ziemlich groß. Ich habe mir seinerzeit eine Jolle auf die Alster gestellt. Und war vorher bereits einige Jahre auf der Ostsee unterwegs. Und obwohl ich dachte, ich könnte alles, waren die ersten Male auf dem Conger ziemlich erbärmlich. Aber so lernt man.

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, über den Sportbootführerschein hinaus weitergehende Kurse und Scheine (z.B. den SKS) zu machen. Auch werden Skippertrainings angeboten, die einen mit der Führung eines Bootes vertraut machen. Aber auch da würde ich mich vorher erkundigen, worauf ich mich beim Anbieter einlasse.

 

Links:

Sportbootführerscheine – Info des DSV

DSV Vereinssuche

DSV – „Willkommen im Club“

Blog Tipps

Jetzt sind die segelnden Leser gefragt. Her mit Euren Tipps. Wie gesagt, ich bin kein Experte, deshalb sind viele Meinungen und Tipps willkommen.

 

 

29 Gedanken zu „Segeln lernen – aber wie?“

  1. Bei uns im Verein am Steinhuder Meer läuft das so, das Interessierte auf den Verschiedenen Booten der Vereinsmitglieder auf Anfrage mitsegeln können, um
    erst mal einen kleinen Überblick zu bekommen , Jolle , Jollenkreuzer, kleine Kielboote. Wenn dann wirklich Spaß an der Sache aufkommt, ist die Segelschule gleich nebenan , und es gibt die Möglichkeit für kleines Geld den Segel A schein für Jollen – und dann kleine Kielyachten zu machen.
    Die Jugendherberge ist 50 m entfernt, und töarlich geht das auch ‚am Stück ‚
    Wenn es dann weiter gehen soll, kann Mann / Frau in den Verein eintreten, 100.-€
    Im Jahr, und die Vereinsboote nutzen.

    1. Da auch meine Frau und ich am Steinhuder Meer segeln würde mich der Name des Vereins interessieren. Ich leihe mir derzeit bei der Segelschule an der Jugendherberge immer Jollen aus, direkt am bekannten Fliegenpilz. Danke im voraus für die Info.

  2. Moin Stephan.
    Ich will nicht rumschlaumeiern, aber in den Berliner Gewässern existiert zum Segeln tatsächlich eine Führerscheinpflicht ab 3 m² Segelfläche.
    Schoin Gruß aus dem Hamburger Westen,
    Benjamin

    1. Danke – ich schrieb ja, dass auf Binnengewässern andere Voraussetzungen gelten. Ich trage das aber so noch ein.

  3. Hallo Digger, Deine Einschätzung trifft es sehr gut.
    Außer in Berlin (und Bodensee) kann man in Deutschland ja ziemlich überall erstmal Segeln lernen und dann Scheine machen. Ich denke, dass gerade für junge Leute ein Verein eine gute Wahl ist, bei den Älteren vielleicht schwieriger wegen der damit verbundenen Verpflichtungen (Stichwort „Arbeitsdienst“).
    Bei mir war es auch im Urlaub (erst 2011) eine Segelschule auf Meganisi, einer wunderschönen Insel in der Ionischen See. Da hat es auch gleich die ganze Familie infiziert.
    Und ich würde immer versuchen, auf einer Jolle anzufangen. Da spürt man alles ganz direkt. Und es gibt keinerlei Hilfsmittel wie auf einer Yacht. Das übt.
    Der Spruch von dem Dänen trifft es gut, ähnliches habe ich auch in den USA gehört. Auch da fangen sie aber jetzt mit Scheinen an.
    fair winds, Fink

  4. Moin

    Segeln ist ein Erfahrungssport (habe ich mal irgendwo gelesen) und man lernt es wirklich nur durch Praxis. Wer keine Mitsegel Möglichkeit hat, die Grundbegriffe lernt man auch in einem SEGEL Kurs. Die Wahl des Anbieters ist Vertrauenssache, somit ein Ausflug nach Österreich gar keine schlechte Empfehlung, aber einen soliden Grundkurs wird es wahrscheinlich bei vielen Vereinen auch geben.

    Segeln ist eigentlich keine schwierige Freizeitbeschäftigung, mit Grundkentnissen (siehe oben) kann man auf handlichen Jollen gut lernen und Erfahrungen sammeln. Zudem sind die Reparaturen nicht so aufwendig. Mit ein paar Glasfasermatten und ein wenig Farbe kann man viel wieder richten :-)
    Das sprich auch für ein Gebrauchtboot. Die Segeln nämlich auch gut, sind günstig in der Anschaffung und Fehler tuen nicht so weh. Apropos Fehler, bis wir uns für das richtige Boot entschieden hatten, haben wir in sechs Jahren vier Boote ausprobiert.

    Scheinfage?
    Braucht kein Mensch, es sei denn, der Gesetzgeber verlangt einen.

    Ein bischen Theorie kann aber auch beim Segeln nicht schaden. Regeln gibt es auch auf dem Wasser und wie überall im Leben gilt, es ist für alle einfacher, wenn jeder versucht sich an die Regeln zu halten. Dafür gibt es aber massenweise Literatur.

    Und ansonsten hilft zum Segeln lernen nur

    segeln, segeln, segeln, segeln, segeln, segeln, segeln, segeln, segeln!

    Schöne Grüße

    Passi

  5. Hallo,

    ich bin selber Segeltrainer (Trainer kein Lehrer)! und habe meine eigene Meinung dazu. Leider wird auch an vielen Schulen oder Vereinen viel Mist erzählt. Aber wie Du schon geschrieben hat muss man sich da selbst ein Bild machen und prüfen ob das Gesamtpaket stimmig ist. Generell kann man da wenig Tipps geben.

    Ein Schnack im Verein kann später beim Bootskauf sinnvoll sein, denn nicht jedes Boot ist für jedes Revier geeignet. Aber Achtung: fragt man 10 Salzbuckel, bekommt man 11 Meinungen. Auch kann es manchmal sinnvoller sein 1000 € mehr auszugeben als das Schnäppchen bei eBay zu machen. Fehlende Ausrüstung, Segel, etc. kostet viel Geld. Da ist es meist sinnvoller ein wenig mehr Geld für ein segelfertiges Boot auszugeben als für ein vermeintliches Schnäppchen.

    @Digger
    Vielleicht kannst Du in Deinem Text bitte den Unterschied zwischen den gesetzlichen Scheinen (SbF See, SbF Binnen-Motor, SbF Binnen-Segeln, erweitert für Funk: SRC, LRC) und den vom DSV (Jüngstensegelschein, SpoSS, SKS, SHS, SSS) sowie den vom Verband der Deutschen Segelschulen VDS (da kenne ich mich nicht aus) erläutern!

    Über die 15 PS Führerscheinfreiheit will ich nicht diskutieren. Wichtig ist ein vernünftiger Umgang und Respekt mit dem Wasser und den Mitmenschen auf dem Wasser.

    Alles andere ist Erfahrung. Anlegen, ablegen mit Wind und Strömung. Navigieren, Revierkunde, Crewverteilung, Segeltrimm, etc. Hier kann man viel auf Skipper-Törns lernen – allerdings auch den ein oder anderen Mist.

  6. Super Artikel :)
    Ich habe genau das Problem… Als Kind viel gesegelt, dann 8 Jahre pausiert und nun die letzten zwei Jahre verschiedene Katamaran- und Jollenkurse gemacht. Allerdings in einer Schule von der ich wusste das eine Freundin mich trainieren würde, so hatte man gleich Anschluss und wusste was auf einen zukommt…
    Die Zeeshouw meines Vaters hat er dieses Jahr fertig gebaut, sodass ich die erste Saison alleine starten will, jedoch brauche ich dafür den SBF See da über 15 PS… also habe ich mich an der nächstbesten Schule in der Nähe angemeldet und bin total auf die Nase gefallen. Ich habe an dem Wochenende nichts gelernt und nur Glück das ich Freunde hab die mit mir pauken was ich noch nicht drauf habe! Außerdem war ich mit 23 leider mit Abstand die jüngste im Kurs!wäre sicherlich schön wenn dieser Artikel auch den jüngeren Mut machen würde, sich an den Segelsport zu wagen! Nur reiten ist manchmal schöner ;)

  7. Schöner Artikel! Und ja: segeln lernt man durch segeln. Einer der weinigen klugen Sprüche, die ich mir selbst ausgedacht habe lautet
    „Man lernt auf Jollen segeln, auf Yachten den Umgang mit Schiffen und auf Traditionsseglern klassische Seemannschaft.“
    Das Stammcrewmitglied eines Traditionsseglers wird wahrscheinlich nach mehreren tausend Meilen nicht für fünf Pfennig segeln können, hat aber haufenweise nette Leute kennengelernt und Respekt vor den Elementen bekommen.
    Wer aber selbst als Erwachsener sich zwei/drei Nachmittage in einen Opti gesetzt hat und ein wenig Hilfe durch einen Fachkundigen nebenher hatte, der weiß zumindest, ob er es lernen kann oder nciht. Für den Fall, daß ja, sollten nochmal fünf Nachmittage auf eine Laser drangehängt werden und schwupps, kann man segeln im Sinne von Wenden, Halsen, grober Segelstellung und einem Instinkt dafür, ob man das Boot gerade zu etwas zwingt oder ob es gern fährt.
    Danach kann man sich vielleicht um Scheine kümmern oder auch nicht – ist sowieso egal auf den meisten Revieren.

  8. Hallo zusammen,
    zu meinem 50ten hab ich mir einen Segelkurs in der Jugendherberge von Bad Zwischenahn (http://www.djh-segelschule.de/) geschenkt.
    In der JH kann man bei verschiedenen Kursen vom Reinschnuppern bis zum SBF-Binnen kommen – alles ganz entspannt auf verschiedenen Jollen, alleine im Boot oder zu mehrer, immer unter Aufsicht eines Teamers auf der Jolle oder im begleitenden Mobo. Und Abends gibt’s immer was zu feiern – da man bei der Segelschule „wohnt“ braucht man sich um die Promille auch nicht so viel Gedanken machen.
    Mittlerweile habe ich auf einem Altrheinarm zwischen Mannheim und Speyer eine VA 18 liegen, die ich auch alleine bewegt bekomme. Dafür bräuchte ich nicht mal irgendeinen Führerschein – und dass in Deutschland … ich muss aber sagen, dass der oben erwähnte Däne absolut recht hat: Man sollte es erst (alleine) machen, wenn man es kann!
    Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich zu lange geträumt habe – ich hätte früher mit dem Segeln anfangen sollen – aber da sage ich nichts Neues. Meinen Weg über die JH fand ich (für mich) optimal und kann es deshalb auch jedem Anderen nur wärmstens empfehlen.
    Gruß,
    Martin

  9. Mein wichtigster Tip (wie oben schon geschrieben):

    Segeln lernt man auf der Jolle.
    Fahrrad fahren lernt man ja auch nicht auf dem Dreirad…

  10. Hallo,

    guter Beitrag und sachliche Kommentare. Ein Aspekt ist meines Erachtens jedoch zu kurz gekommen, was die „notwendigen Scheine“ betrifft. Nicht jeder, der sich für´s Segeln interessiert, wird sich gleich ein eigenes Boot kaufen. Vor allem dann nicht, wenn das Interesse auf´s Seesegeln und ein bewohnbares Kielboot gerichtet ist. Viele werden sicherlich erst einmal chartern wollen. Die meisten (seriösen) Vercharterer von Segelyachten verlangen aber mindestens den SKS.

    Meine pesönliche Vorgehensweise, um Erfahrung vor dem ersten Törn als verantwortlicher Skipper zu sammeln: Kojenchartertörns bei verschiedenen Skippern auf unterschiedlichen Yachten segeln.

    Ich habe zwar auch mit der Jolle angefangen und inzwischen alle Scheine. Aber weder die Jollenerfahrung, noch das „Schein-Wissen“ reichen aus, um mit einer (Charter-)Yacht alleinverantwortlich zurecht zu kommen.

  11. Gratuliere zu dem verlockenden und durchaus ernsthaften Anreiz zum Segeln. Bin durch meinen deutschen damals-Mann zum Segeln gekommen. Die deutsche Gründlichkeit und österreichischer Segelspaß zusammen haben da durchaus was. Kann mich noch erinnern, wie’s bei mir begann: Nach dem Kennenlernen aller Vorzüge eines Segeltörns in Kroatien sollte ich es erst auf dem Laser probieren
    .“Wenn du damit segelst, musst du auch das Kentern und wieder ins Boot kommen üben“, sagte er… Damals war ich noch jung…
    Auch das üben mit Jan am Attersee kann ich nur empfehlen!! Er hat sehr viel Erfahrung, kann sie gut weitergeben und ließ uns in die Box fahren bis ans Limit. „Die Scheuerleiste heißt so, weil man damit scheuern darf“ (an den Dalben), sagte er…
    Ja, die Freude am Segeln bleibt.
    Ist halt als Frau im Binnenland alleine nicht so leicht, dabei zu bleiben. Boot am Attersee ist jetzt leider verkauft mangels eigener Fähigkeit und Zeit zur Instandhaltung, und allein ist’s halt auch nicht so lustig. Mit dem eigenen Chartern im Sommer in Kroatien – jetzt trau ich’s mir zu – genau, nicht Segeln, wenn man darf, sondern wenn man’s kann – ist aber der nächste Schritt getan. :-)

    1. Richtig gut gemacht. Es ruft doch Erinnerungen wieder wach die ich bei meiner praktischen Ausbildung erlebte. Ich habe die Praxis am Steinhuder Meer gehabt und auf dem Mittellandkanal. Ich werde bei Dir gerne wieder reingucken. Frage, hat Du auch eine eigene Schule wo man z.B den SKS machen kann?

    2. Es erging mir wie vielen hier. In der Jugend auf der Alster und gelegentlich auf der Elbe gesegelt, dann kamen die üblichen Ablenkungen wie Freundin, Lehre, Meisterschule, Familie und Kinder… als ich 50 wurde dachte ich mir, das kann es doch nicht gewesen sein. Internet angeschmissen, gegoogelt, Rolf Dreyer gefunden, angemeldet und sofort losgelegt. Für den Sportbootführerschein See brauchte ich 2 Wochen für die Theorie, die Praxis machte ich sehr kostengünstig auf dem Mittellandkanal Dauer 2 Wochenenden. Die Prüfung war nach den Kursen ein Witz. Gleich im Anschluss machte ich den Sportbootführerschein Binnen. Die Theorieprüfung hatte ich nach 2 Wochen erfolgreich bestanden. Die Praxis unter Motor wurde erlassen, da ich diese schon bei der Seeprüfung mit erledigt hatte. Das Segeln wurde mir sehr gut, ohne Brüllen, wie in anderen Schulen erlebt, beigebracht. Die Prüfung wurde nach ca. 3 Monaten abgelegt. Ich konnte sooft ich wollte segeln, mit und ohne Lehrer. Danke hier an die Segelschule Mardorf, deren Kunde (Jollen Vermietung ) ich auch heute noch bin. Eher nebenbei machte ich den Pyroschein, hätte den mal gleich mitmachen sollen bei der Sportbootführerschein… die Prüfungsgebühr wäre mir erspart geblieben. Über 30 Jahre nach der Schule tat ich mich bei der Funkprüfung SRC etwas schwer. Englisch ist nicht unbedingt gut mein Ding. Die UBI Prüfung die ich Zeitgleich in Hannover beim DSV ablegte war ungleich einfacher. Und ehrlich, diese ganzen Prüfungen und das dazugehörige Lernen machte sehr viel Spaß. Das ich heute regelmäßig segel ist Entspannung pur, ich hätte es nie unterbrechen sollen, 30 Jahre auf sehr viel verzichtet, schön blöd. Ich denke ich werde nächstes Jahr noch den SKS machen, für mich persönlich so etwas wie das zweite Abi und die zweite Meisterprüfung. Was mir noch fehlt ist ein eigenes Boot geeignet für das Steinhuder Meer und die Ostsee. Resümee, Segeln ist zu meiner Lieblingssportart geworden.

  12. Die Filmchen vom sailnator sind einfach klasse, hab herzlich gelacht, besser als Ice Age oder Madagaskar. Und lernen tut man auch noch was dabei

  13. Jo, die Filmchen sind lustig, aber das Norddeutsche Seglerlatein ist besser zu verstehen, wenn man schon segeln kann. Aber Hut ab, den steifen Legomännchen segeln zu erklären erfordert sicher eine Menge Geduld.
    Ablegen unter Segeln habe ich bislang nur vorwärts gemacht und das sehr elegante Manöver des rückwärts Ausparkens schon fast vergessen. Insofern danke für die kleine Auffrischung, ich werde es demnächst mal genau so machen.
    Soll keiner sagen, dass man zu alt ist ist für Lego. :-) Und zu alt um noch was dazuzulernen ist man sowieso nie.

    Bei Büchern gibt es jede Menge überfrachtete und bedeutungsschwere Literatur, die den komplett unerfahrenen Segellehrling ratlos zurücklässt. Wer aber wenig Zeit hat und mal eben auf der Bahnfahrt zu seinem ersten Segelabenteuer verstehen will, wie es gemeint ist und wie man ein Boot dazu bringt, dahin zu segeln, wo man hinwill, dem sei das kleine Büchlein von John Driscoll „Segeln lernen“ empfohlen.

    Erstaunt wird man feststellen, dass der Segelfreund mit seinem Boot ungefähr genau das macht, was man da grad gelesen hat und ungefähr exakt die Vokabeln verwendet und genau die fünf Knoten benötigt, die in dem Büchlein erklärt wurden. Alle Manöver mit Bildern aus der Luft. Mehr muss man nicht wissen und den Rest kann man ohnehin nicht aus Büchern lernen.

    Ich habe mal einen Ersatzvorschoter mitgenommen und ihm in den 10 Min zwischen Ablegen und Regattastart erklärt, was wir gleich machen werden und was seine Aufgaben sein werden und das hat wunderbar funktioniert.
    Aber ich kenne auch das Gefühl, einen schönen Sonntagvormittag in einer ungeheizten Volkshochschule damit zu verplempern, einem wettergegerbten Seebären und seinem Navigationskauderwelsch zu lauschen und nur Bahnhof zu verstehen. :-(
    Es scheint mir eine weit verbreitete Kunst, fachlich einfachste Zusammenhänge so kompliziert und bräsig zu erklären, bis man garnichts mehr kapiert.
    Dann einfach mutig den Segellehrer wechseln. In Wirklichkeit ist es nämlich so einfach wie Fahrradfahren.

    VG Eric

  14. Moin,
    super Beitrag und allgemein ein Super Blog.
    Bei mir ist nicht so das Problem mit dem Segeln lernen, sondernt eher mit der Bootsbeherschung. Segeln kann ich einigermasen. Bin im Dezember geboren und die erste schwere Kinderkrankeit hatte ich nächstes Jahr auf den N.-O. Kanal bin die ersten 16 Jahre meines Lebend sozusagen auf dem Wasser gross geworden. Seit dem waren jetzt 15-16 Jahre pause, wie das so ist wenn Freunde, Party, Frauen und Alk kommen, und den Anschluss nicht so richtig wiedergefunden.
    Jetzt wollen meine Frau und ich unbedingt wieder anfangen, hat ne ähnliche Segelvergangenheit wie ich.
    Wir haben jetzt halt das Luxusproblem das wir auf 2 recht grosse Fahrtenboote zugreifen können. Meine Eltern haben eine Nordisk Snekke, keine Ahnung obs richtig geschrieben ist. Das ist ein schmales 9m Boot aus den 70ern aus Dänemark. Und meine Schwiegereltern haben eine Dehler 36 cws. Die Snekke ist meiner Frau zu klein, wir haben 2 kleine Kinder, und mit der Dehler werden wir Hafenkino vom Feinsten liefern. Und was anderes kaufen wäre kompletter Schwachsinn, da wir die Dehler in den nächsten Jahren auf jedenfall übernehmen werden.
    Da bleibt halt auch nur üben und hoffen das man nicht zuviele Stege rammt. € :-)

    Zum Thema Scheine bin ich der Meinung man sollte wenigstens den SBF machen, damit hat man wenigstens mal was von den ganzen Regeln gehört und hat auch was in der Hand falls mal was passieren sollte und ne Versicherung fragt ob man das denn überhaupt kann. Auch wenn ich garantiert keinen ankerlieger mehr an den Leuchten erkennen würde.

    Gruss aus Bremen
    Henning

    1. Du hast damals einen schwerwiegenden Taktischen Fehler begangen:
      Freunde, Party, Frauen und Alk in Verbindung mit Booten müssen sich nicht ausschließen Is‘ klar, ne ? ;-)

  15. Moin,
    ich bin grade dabei das Segeln zu lernen und mache nebenbei den Sbf Binnen. Ich habe allerdings eine Frage zu den Scheinen die dann in den nächsten Jahren anstehen:
    Was hat es denn nun mit den sm Angaben bei den Scheinen auf sich?
    Sks: “bis 12 Seemeilen Abstand von der Festlandküste“
    Sbf See: „drei-meilen-zone“

  16. Ich habe gerade eine RICHTIG COOOLE SEITE gefunden, nämlich die der Wassersport-Akademie:
    http://www.wassersport-akademie.org

    Die Buben bieten sehr, sehr gute KOSTENLOSE Webkurse zu den wichtigsten Scheinen an. Damit kann man/frau sich klasse auf die theoretischen Prüfungen vorbereiten.

    Neben den Kursen gibt es auch Hilfen, wie beispielsweise einen Lehrplan, mit dem man die Zeit zum Lernen bis zur Prüfung optimal nutzen kann.

    Hoffentlich liest das hier unten noch jemand, dem’s nutzt :-)

    Schöne Grüße aus Frankfurt
    Chris

  17. Auch ich halte es wie unsere nördlichen Nachbarn …
    Erst segeln, dann Schein.
    Auch ich habe meine ersten Seglerfahrungen bei einen Verein gemacht. Durfte meine Jolle dort lagern, durfte mitsegeln oder hatte Mitsegler. Und wenn ein befreundeter Segler mit auf dem Wasser ist, was kann dann schon passieren?
    Inzwischen bin ich Mitglied und freue mich über jeden Neueinsteiger. Das Boot ist ein paar Fuß länger … aber nicht schneller ;-)

    – Sailors have more Fun –

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