Ölzeug. Warum eigentlich?

Heute las ich einen Artikel in der Zeit, in dem auf lustige Weise über den urbanen Outdoortrend geschrieben wurde. Ich falle übrigens voll in diese Kategorie Mensch rein. Allerdings nicht aus Modegründen. Denn ich habe das Zeug nun mal fürs Segeln. Seit ich segle, habe ich mich im sogenannten Ölzeug nie wohl gefühlt. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, diese hohen Kragen mit brettharter Fleeceeinlage und die Kapuzen, die sich nicht mit dem Kopf mitdrehen, habe ich nie gemocht. Und ich habe viel ausprobiert. Preiswert bis teuer. Glücklich hat mich das nie gemacht.

Da ich früher oft Bergwandern oder auf Kajaktour war und mich generell wegen Hund oft draussen aufhalte, hatte ich seit jeher schon immer Outdoorklamotten. Und irgendwann habe ich mich auch auf dem Boot auf diese Kleidung umgestellt.  Und das klappt hervorragend.

Ich habe schon seit längerem in Foren und anderen Plattformen Diskussionen über Segelbekleidung gelesen. Hier die wichtigsten Aussagen dazu:

1. „Segeln stellt besondere Ansprüche an die Kleidung. Sie muss absolut dicht sein und warm halten.“

– Wer jemals Bergwandern war, weiss, dass die Bedingungen in 3000m Höhe nicht gerade kuschelig sein können. Man steigt im Tal auf, bei 30 Grad Hitze und wird oben kurz vorm Erreichen der Hütte vom Schneefall, Hagel oder Starkregen erwischt. Wer sich da nicht warm und regendicht anzieht, hat verloren. Es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der mich Behaupten lässt, dass solche Outdoor Kleidung sogar noch höhere Ansprüche stellt. Denn sie muss Atmungsaktiv sein, weil man beim Bergwandern sicher mehr schwitzt als auf See. Und die Dichtigkeit ist bei Starkregen mit viel Wind genauso erforderlich wie bei überkommenden Wellen auf See.

2. „Segelbekleidung mit grellen Kapuzen ist im Wasser bei einem POB besser zu orten.“

– Hm. Das kann ich nicht gelten lassen. Denn man trägt ja eine Rettungsweste. Und die leuchtet wesentlich auffälliger als eine Kapuze. Ausserdem kann man sich bei Bedarf Outdoor Kleidung auch in grellen Farben kaufen.

3. „Outdoor Kleidung ist nicht seewasserbeständig.“

– Dann habe ich absolute Ausnahmekleidung. Meine Lieblingsregenjacke (Arcteryx SVX) an Bord hat nun 12 Jahre auf dem Buckel, ist immer noch absolut dicht. Teuer, aber gut und vielfältiger einsetzbar. Und ich sehe damit in der Stadt nicht immer gleich aus wie ein Segler.  Meines Wissens gibt es auch keine Seewassermembrane. Goretex ist Goretex. Man sollte nur auf eine ausreichende Wassersäule achten. Dann bleibt auch Landrattenbekleidung dicht.

4. „Outdoorbekleidung ist oft leichter, dadurch nicht so warm.“

– Stimmt. Niemand will an Bord eine Daunenjacke tragen. Aber überall in der Welt laufen Menschen in der Natur mit solchen dünnen Jacken und Hosen rum. Wenn es kalt wird, einfach ein paar Lagen drunter ziehen. Mit Faserpelz und Co. kann man seine Bordbekleidung ganz einfach an die Bedingungen und Temperaturen anpassen. Und es ist preiswerter, als ob man sich eine Garderobe aus „Coastal“, „Inshore“ und „Offshore“ (ich habe das nie verstanden…) ins Schapp steckt.

Eines eint beide Bekleidungssysteme: Wer billig kauft, der friert.

Die Vorteile von Outdoorklamotten liegen für mich jedoch auf der Hand: bessere Bewegungsfreiheit, vielfältigere Einsatzmöglichkeit, größere Flexibilität und – auch nicht ganz unwichtig – besserer Look.

Meine Wetterausstattung an Bord besteht also aus:

Regenjacke ungefüttert. Lang und dicht. Kapuze perfekt einstellbar. Verschweisste Nähte und dichte Zipper.

Regenhose, hoch geschnitten. Weite Passform.

Softshelljacke für drunter oder trockene, kältere Tage

Faserpelzjacke

Lange Wäsche zum drunter ziehen

Und – tataa – eine Segeljacke: Ein Smock von Gul (trage ich aber kaum)

Das ganze Zeugs trocknet dazu auch noch schnell und lässt sich besser Verstauen als sperriges Ölzeug.

Ach ja, als rutschfester Lieblingsbordschuh hat sich übrigens der Nike Free herausgestellt. Allerdings nicht als wasserdichter Seestiefel. Die trage ich eh nie. Bei den Nikes läuft das Wasser sofort wieder raus. Und wenn’s kalt und nass wird, ziehe ich Neopren Schuhe an.

Ich will damit generell gegen Segelbekleidung sagen. Doch mir ist sie zu Uniformiert, zu gleich und irgendwie auch zu unbequem. Auf jeden Fall gibt es im Outdoorbereich gute Alternativen. Ich denke auch, die Segelbekleidunghersteller haben einen Trend verpennt. Wenn man über die Messen schlingert sieht das irgendwie alles gleich aus.

Und ich kenne niemanden, der nicht segelt, aber Segeljacken trägt. Dagegen tragen sie in der Stadt alle Outdoorbekleidung.

27 Gedanken zu „Ölzeug. Warum eigentlich?“

  1. Hallöchen,
    ich finde man kann das Alles nicht so allgemein sagen. Man muss denke ich in den Einzelfall gucken.
    Ich gebe dir definitiv Recht, dass das Ölzeug sperrig ist und manches für den Ottonormalo auf völlig übertrieben.
    Ich selbst besitze das Ocean Explorer von Lloyd.Ist ähnlich wie das MPX von Musto. Da ich das ganze Jahr über Regatta auf Dickschiffen segel, ist es nicht übertrieben. Die Regatten sind auf der Nordsee, Ostsee und den angrenzenden Gewässern. Bis jetzt hat es mir immer einen guten Dienst erwiesen auch im Winter bei Schnee.
    Wer natürlich nicht das ganze Jahr über Regatten segelt und es tendenziell auch eher ruhig angehen lässt für den ist eine leichte Bekleidung, egal ob Segel oder Outdoor völlig ausreichend :-)

  2. Aber da steht dann ja gar nicht Musto oder Gaastra drauf………..
    Das wirkt im Hafen ja gar nicht so als wenn man voll der Profi ist.

    Ich denke das es bei vielen einfach gewöhnung ist. Meine Eltern z.B. haben einfach seit 40 Jahren Ölzeug gekauft und nie darüber nachgedacht das man ja einfach mal was anderes Probieren kann, und das hab ich auch so übernommen. Wenn bei mir mal was neues ansteht werde ich auf jedenfall auch mal nach Outdoor Bekleidung gucken.
    Manchmal braucht man einfach mal ne Idee.

  3. Ich geh‘ jetzt seit gut 15 Jahren mit Klamotten von Mammut und Co. auf Törn. Klappt super, bisher nie Probleme mit frieren oder nass. Segelschuhe gab es diese Weihnachten das erste Mal: Von Adidas, die Dinger mit Neopren und Löchern in der Sohle. Sehen ganz normal wie Straßen-Sneaker aus, eben nicht die Winnetou-Dinger aus empfindlichem Leder für teuer Geld ;)

    Also von hier ein Full-ACK zu deinem Artikel!

  4. Moin,

    ich gebe zu ich habe auch ne Musto Jacke und Hose, bin aber nicht so wirklich davon überzeugt. Hatte mir damals mehr davon versprochen. Zugegeben es ist die Coastal Serie und keine MPX.

    Anfang des Jahres brauchten wir einen Kombi für meine Freundin. Da sie erst noch in die Segelei hereinschnuppert wollten wir nicht allzuviel ausgeben.
    Bei AWN um die Ecke gab es zwar ein paar Einzelstücke, aber alles andere unter 150 € (pro Kleidungsstück) war ohne dicken Kragen und die Hose ohne Latz. Mehr etwas für Onshore oder die Fahrradtour und für ne Helgoland-Gischt ungeeignet.
    Aus der Not eine Tugend gemacht und sich dran erinnert dass Bekannte letztes Jahr in Frankreich bei Decathlon nette Segelklamotten gesehen haben. Spontan zum nächsten Decathlon gefahren und folgendes hier (gab es im Laden auch als Damenschnitt) gekauft:
    http://www.decathlon.de/segeljacke-cr500-herren-id_8243005.html
    http://www.decathlon.de/segel-latzhose-cr500-herren-id_8243004.html

    Modisch und funktioniell top. Ist jetzt seid Anfang der Saison in Gebrauch und vermutlich werde ich meine Musto Hose demnächst ersetzen müssen. Ich denke ich werde hier wohl Decathlon oder den Outdoor Laden um die Ecke testen.

    Kann Decathlon so billig produzieren lassen weil es keinen Namen hat, oder muss ich ein schlechtes Gewissenen wegen Kinderarbeit ala KIK haben?

    Freddy

      1. Huups, da sind wir ja mittendrin im Kinderarbeitsparadies. :-(
        Die einen sagen, ihr seid auffällig, mehrfach und die anderen wissen von nichts. also alles wie immer.
        Man hat ja Richtlinien gedruckt und die werden auch den Subunternehmern übergeben. (Wenn es nicht so traurig wäre, wäre die Reaktion der Marketingabteilung fast schon wieder witzig)

        Aber ist ja nicht so, dass es bei den überteuerten Labels keine Kinderarbeiten oder prekäre Produktionsbedingungen gäbe.
        Woher kamen nochmal die seltenen Erden für die Speicherchips in meinem Laptop? Ich weiss auch von nichts und mache mir mal schnell einen Kaffee. Wo kommt der eigentlich her?.
        Es wird ein gewaltiger Aufwand betrieben, um die wahren Produktionsbedingungen unserer täglichen Nahrung und genutzter Produkte zu verschleiern. Und wenn es doch mal rauskommt?
        1,5 Sekunden schlechtes Gewissen, ein bisschen Ekel, Ratlosigkeit und dann?

        Wichtig ist, dass genügend Geld für bunte Hochglanzprospekte ausgegeben wird, damit wir als Konsumenten beruhigt wegschauen können. Das muss doch genügen und genauer wollen wir es garnicht wissen, wegen der 1,5 Sekunden.. .

  5. Moin, einen Nachteil haben die Outdoorklamotten. Sie reißen schneller. An Bord gibt es jede Menge Gelegenheiten hängen zu bleiben. Meine North Face Jacke hatte nach 2 Tagen schöne Risse. Meine alte HH Jacke (ca. 25 Jahre alt) ist noch ganz.

    1. Guter Punkt!

      Man sollte natürlich nicht diese in letzter Zeit modernen leichten und glänzenden Kunstfasern nehmen. Das dient oft nur der Optik. Natürlich machen feste Aussenfasern Sinn

  6. Ich gebe dir recht und trage auch fast nur Outdoor bzw. Wanderjacken. Da ich die Segeljacken teilweise echt miese alt Herren Look geschnitten finde!

  7. Es geht auch anders rum: Meine Billig-Offshore Bekleidung von Compass wurde bisher eigentlich kaum beim Segeln benutzt – lediglich 2 Mal in 10 Jahren, als es Ende Oktober junge Hunde und Katzen goss und saukalt war. Andererseits habe ich sie aber jahrelang zum Skilaufen verwendet, wo sie mir wirklich gute Dienste leistete… Segelklamotten sind bei mir eine relativ dünne Windjacke von Helly Hansen (25 Jahre alt) und eine Softshell-Jacke in wasserdicht. Die Offshore-Kleidung ist aber immer an Bord – zur Sicherheit. ;)

  8. Hi,

    ich bin als Fahrradladenbesitzer ja schon auch mit der Problematik von wasserdichter und gleichzeitig atmungsaktiver Bekleidung vertraut.

    Gerade beim Biken reicht zum Beispiel die Atmungsaktivität von Gore Tex oft nicht aus, wenn es wirklich anstrengend wird. Es kommt zwar nix von aussen rein, aber man schwitzt die Sachen von innen nass. Bei moderater Belastung ist aber alles gut.

    Ich trage beim Segeln daher auch seit je her meine Bike-Klamotten, also Gore Tex und Windstopper und die entsprechende Funktionsunterwäsche und bisher ist alles bestens, eben weil dort die Anstrengungen und damit die Transpiration meist viel geringer ist.

    Allerdings glaube ich, auch, wenn es richtig lange, richtig NASS wird, sind Segelklamotten noch ein wenig besser, weniger wegen der Atmungsaktivität, als wegen des Schnitts und der Details.
    Ich persönlich war aber mit den Bike/Outdoorsachen immer bestens unterwegs.

    Schöner sind sie meist in jedem Fall und das ist bei den Preisen ja auch ganz nett.

    1. Softshell Jacken sind in der Regel nicht wasserdicht. Oft wasserabweisend. Man trägt sie entweder als Windjacke, wenn es trocken ist, oder als mittlere Schicht unter der Regenjacke.

  9. Wenn man viel mit den Öffentlichen fährt, fällt schnell auf, dass vom Bankheini bis zur kleinen Touristik-Studentin viele so eingekleidet sind, als würden sie gleich mal eben in der Mittagspause statt im Park rumzulungern, zu einem Hochgebirgs-Hüttenwanderung aufbrechen. Ganz wichtig ist, dass jeder lesen kann, dass sie richtig teures Zeug kaufen. Das scheint mir das eigentliche Geheimnis zu sein.

    Wenn man sich nicht für Marken und Label interessiert und es einem auch am Heck vorbeigeht, was andere dazu denken, wird man recht schnell bemerken, dass der ganze Hype um die Outdoor-Klamotten eine schöne bunte Blase ist.
    Da rennen Leute zu Globetrotter und testen Bergstiefel, weil sie mal in der Uckermark wandern wollen oder kleiden sich für eine Paddeltour in Brandenburg ein, als würde man sie mitten im Regenwald aus dem Hubschrauber werfen.
    Ganz schick sind ja die fettwänztigen Typen, die sich für eine Radtour mit der Familie in enganliegenden Papageienlook pressen, gerne mit Netzeinlage überm behaarten Bauarbeiterdekoleté, (wegen der Luftzirkulation) ohne jede Rücksicht auf den Brechreiz, den sie damit bei überholenden Radlern auslösen.

    Für die normalen Outdooraktivitäten, wie skaten, radfahren, wandern in Flach- und Bergland, paddeln, skilanglaufen und ins Büro latschen, habe ich Jeans und T-shirt, Sweatshirt und Jacke. kein Label und funktioniert trotzdem. Voll outdoor- UND indoortauglich.
    Wenn ich in Tschechien skilaufe, rennen die da alle so rum. Da habe ich noch nie einen im Ölzeug gesehen. Nur wenn es grenzüberschreitend rüber geht nach Bayern, wird die Loipe voll und die Leute sehen klamotten- und skitechnisch aus, wie frisch aus dem Ei gepellt und sind mindestens himalayatauglich eingekleidet.
    Komisch, obwohl hüben wie drüben das gleiche Wetter ist und schneller unterwegs sind die davon auch nicht und wenn die sich auf der Hütte aus ihrem Zwiebellook pellen, stinken sie genauso verschwitzt, wie alle anderen. Daher kommt wahrscheinlich der Name.

    Wenns beim Segeln rauh wird, schlüpfe ich ins Ölzeug von Compass. Das hat die 20. Saison hinter sich und oh Wunder, ich habe es bislang überlebt. Das kratzt auch nicht am Hals. Atmungsaktiv ist das nicht aber wenn es übel weht und schüttet, kann ich damit an der Pinne ausharren und lasse es abtropfen, wie Stephans Möve auf dem Dalben. Genau das soll es können und der Rest ist m.E. Werbung.
    OK, zum Skilanglauf könnte ich mir mal eine Skihose kaufen und wenns auf der Tour von Hiddensee bis Mön durchregnet, ist die Jeans am Hintern auch unterm Ölzeug nass, aber dass man sich nur im Markenoutfit nach draußen trauen kann, halte ich für ein hübsches teures Märchen.

    Dem ersten Beitrag von Matthias stimme ich voll zu, wer so hardcore auf der See segelt, braucht gutes Ölzeug. Wie man sieht, ist in der Szene offenbar bekannt, welches Zeug was taugt und welches nur Schickimicki ist.
    Aber das, was wir so seglerisch unternehmen, ist mit einem vernünftigen Ölzeug allemale abzuwettern.

    Wenn einer tatsächlich Top-Otdoorklamotten braucht, dann sind das Leute, die outdoor arbeiten, vom Hochseefischer bis zum Müllmann. Das, was die tragen, funktioniert garantiert. Aber da steht auch nicht HH drauf oder North Face und dann weiss ja wieder keiner, wie teuer das war..:-(

    1. Die Jeans war auch mal Funktionskleidung. Oder wozu brauchst du auf dem Weg ins Büro nietenverstärkte Taschen und Nähte? Diesen Markenhype mag ich auch nicht. Ich finds aber gut wenn der Familienvater trotz Übergewicht mit seiner Familie ne Radtour macht. Vielleicht trägt er auch besondere Sportkleidung weil ihm als Untrainierten einfach schnell warm wird und er schnell schwitzt. Da wäre Funktionskleidung wohl angebracht.

  10. Hi,
    plötzlich trägt keiner mehr richtige Segelklamotten. Ich habe viel ausprobiert. Skijacken sind z.B.überhaupt nicht geeignet, da sie nach einer Snowboard-Saison Wasser durchlassen. Softshel ist auch so eine Wundermembran die eigentlich alles und doch gar nichts richtig kann. Als leichte Windjacke vielleicht. Egal in welche Preisklasse man sich bewegt.Beim Segeln bin ich jetzt bem Level HPX gelandet, da drunter treffen alle o.g. Argumente zu.HPX ist allerdings superweich, reissfest, bequem, abgesehen von dem flauschigen Stehkragen, und worauf es ankommt: komplett dicht! Mein Segelrevier ist ganzjährig Adria und Mittelmeer wo ab und zu ein paar Wellen überkommen da ich keine Lust zum Abwettern habe. Doch gibt es auch die Tage mit viel Sonne und weniger Wind, da greife auch ich zu leichter Outdoorbekleidung.
    Also alles Geschmackssache, es sollte alles an Bord sein.
    Viele Grüße

  11. In der heutigen Zeit turnt jeder mit Outdoor Klamotten rum (genau wie im Artikel geschrieben) und in den Städten ist eher die Outdooruniform zu hause als die Seglerklamotte, erst recht fern ab der Küste wo ich zuhause bin. Da ist eher mal ein Chickes Gaastra-Jäckchen aus dem letzten Urlaub in Dänemark oder auf Sylt zu sehen, in letzter Zeit extrem viel Wellensteyn aber Ölzeug eigentlich garnicht..

    Meiner Frau haben wir kürzlich „Ölzeug“ aus dem Hause Bergans gekauft. Eigentlich gedacht zum Skifahren… dolles Ding. Superbequem, tut seinen Job, hält sie Warm und trocken.

    Ich dagegen habe mir gegen den Trend eine Segeljacke für Outdoor gekauft. :D Ich liebe die gefütterten Taschen und den hohen Kragen. Besser gehts gar nicht auf dem Weihnachsmarkt. Kalte Finger? Was ist das? Ich hab gefütterte Taschen zum einschlupfen, eiskalter beißender WInd beim Hundegassi? Na und? Mein Kragen geht bis über die Ohren… Das einzige was ich feststellen muss ist, dass bei schweren Rucksäcken das Ölzeug irgendwie nicht gut mit den Gurten zurecht kommt, immer drückt irgendwas, kann aber auch an meiner Jacke liegen.

    Und ich renne wenigstens nicht wie hunderte andere mit diesen bescheidenen Tatzen auf der Klamotte rum *brrrrrrr*

    P.s. nein, zum segeln habe ich im Gegenzug keine Outdoorsachen an wie meine Frau… ich trage dennoch Ölzeug. :)

  12. Ich finde du hast recht. Ich selbst besitze relativ schweres Ölzeug, das ich mir vor etwa 6 oder 7 Jahren zugelegt habe. Seit dem habe ich es maximal 3, 4 mal wirklich komplett getragen und das obwohl ich jedes Jahr mehrere Wochen am Stück auf Nord- und Ostsee segeln gehe.

    Auch wenn ich es jedes Jahr mitnehme, liegt es meist einfach in einer Tasche an Bord und wird nicht einmal rausgeholt. Sollte es tatsächlich mal regnen, setze ich mich in den Niedergang unter die Sprayhood und lasse den Pinnenpiloten die Arbeit verrichten. Zum Trimmen oder Kurs ändern gehe ich einfach im Sweater raus und beeil mich – bin schließlich nicht aus Zucker.

    Was mich am meisten an dem Ölzeug stört, ist die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und das Gewicht des Ölzeugs. Das Material ist so steif, dass ich es angenehmer finde einfach mal nass zu werden und ein bisschen zu frieren anstatt mir das schwere Zeug anzulegen.

    Das nächste Problem ist nach einem Regenschauer dann das trocknen an Bord – will man das Ölzeug irgendwo aufhängen ist die ganze Kajüte zugehängt…

    Also die paar Male bei denen ich das Ölzeug getragen habe, waren beim Schleusen oder Anlegen während es kräftig geschüttet hat.

    Vor 2 Jahren habe ich mir dann noch eine leichtere Segeljacke gekauft, in der Hoffnung die öfter zu tragen. Das war allerdings auch ein Irrglaube… durch den hohen Kragen ist die genauso lästig zu tragen wie mein anderes Ölzeug. Der hohe Kragen stört mich ohnehin am meisten, weil man in der Sicht eingeschränkt ist und sich total eingemauert fühlt.

    Sollte ich mir mal wieder was anschaffen, werde ich mich vermutlich auch mal im Outdoorbereich umschauen!

  13. aktuell gibt es hier in südschweden nichts was ich lieber trage als meine lange Jacke mit hohem Kragen.

    zugegeben – im Juli hatte ich den auch nicht an. aber aktuell weht halt ein anderer Wind und ohne wäre mancher Schlag verdammt kalt und nass geworden.

    1. Musto und Co haben in den letzten 50 Jahren tolle Arbeit geleistet.
      Gemeinsam mit Gore Tex wurde allen einfach erzählt wie es zu sein hat. Und wenn etwas nicht gepasst hat, lag es einfach an einem selbst.

      Tatsächlich ist der sehr lukrative Outdoormarkt übervölkert von Märchenerzählern. Kaum einer hat Ahnung und mischt zu den Informationen des Herstellers viel „verkaufsfördendes“ Material hinzu.

      Grundsätzlich sollten sich Outdoor- und Segelbekeidung in diesen wesentlichen Punkten unterscheiden:

      1. Stärke des Obermaterials
      => Segelbekleidung für den häufigen Einsatz sollte grundsätzlich aus dickerem und damit reißfesterem Material bestehen (Achtung Gewicht, erhöht sich)

      2. Die Membranen müssen dicker und damit über einen längeren Zeitraum wasserdichter (hier ist Dauer entscheidend und nicht die Wassersäulenangabe auf dem tollen Hang Tag) und damit wiederum weniger atmungsaktiv sein

      Achtung: hohe Wasserdichtigkeit und hohe Atmungsaktivität sind zwei gegenläufige Eigenschaften

      Bei Arbeitsbekleidung wird von den Materialherstellern nicht die Angabe der Wassersäule verlangt, die Dir jeder Globetrotter verkäufer herunterbeten kann, sondern die Anzahl der Waschzyklen bis die Membran nicht mehr funktioniert

      3. Der Schnitt ist traditionell etwas weiter und länger, die Kragen sind höher. Auch hier gilt für eine wirkllcihe Funktionalität das Zwiebelprinzip: Schicht für Schicht

      Man kann natürlich auch mit seiner Lidl Jacke Glück haben, aber man hat eben Glück. Jedem sei es gegönnt!

  14. Früher in meiner Jugend lief man meist mit Parka rum,
    bei Regen 2-teiliger Segelanzug aus PVC oder Schirm.
    Heute gibt es viel bessere tolle Sachen, jedem sei das Seine und sein
    Markenstolz gegönnt.
    Nach 6 Stunden Sauwetter mit 140 auf dem Motorrad ist mein Goretex
    nicht mehr 100%ig, da ist das Ganzkörperkondom vorteilhafter.
    Ich bin ein Freund von Schichten, die ich je nach Temperatur, Regen und Bewegung anpassen kann.

    Gruß

  15. Naja, bin jetzt nicht so der supererfahrene Segler – aber letzten Oktober bei richtig üblem Wetter und Wind war ich froh, dass ich diesen hohen Kragen an der Segeljacke hatte – am liebsten hätte ich mein ganzes Gesicht dahinter gesteckt. Und das die Jacke hinten richtig tief runterging und die Ärmel schön lang und dicht waren war auch nicht schlecht. Die Plätze unter der Sprayhood waren nämlich auch nicht immer frei und am Ruder saß man nicht geschützt. Diese Features bietet keine Outdoorjacke (dafür haben die natürlich einen schickeren Schnitt). Und eine vergleichbar wasserdichte Outdoorjacke ist auch genauso steif wie eine moderne Ölzeugjacke – ist ja mehr oder weniger das gleiche Material. Für den Preis einer guten Outdoorjacke bekommt man auch gutes bis sehr gutes Ölzeug (Dreilagen-membran) – ist auch kein Argument. Grundsätzlich find ich Diggers Ansatz nicht schlecht. Aber meiner Meinung nach hat das richtige Hochseeölzeug ein paar Features die die Outdoorklamotten nicht haben und über die man sich schon bei einem einzigen Segeltörn im Herbst in unseren Breiten unter Umständen sehr freut.

  16. Hi zusammen,

    ich suche Segelschuhe. Jetzt wurden hier von Digger die nike free empfohlen…..ich war jetzt knapp davor mit welche zu kaufen – nike free flyknit…..sind da die Zehen genug geschützt oder soll ich mir dann doch lieber richtige Segelshcuhe holen, wie zb von musto? was habt ihr für Erfahrungen?

    dankeee!! :)
    Angie

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