Umstieg auf Android: Langzeittest

Im vergangenen Frühjahr bin ich bei mobilen Geräten komplett von Apple iOs zu Android umgestiegen. Hier meine Erfahrungen.

Ich arbeite seit den 90ern mit Apple. Vor 10 Jahren noch wurde man müde belächelt und wenn man über die Vorzüge der Macintosh Rechner erzählte, als „Jünger“ bezeichnet. Apple hat sich aber in den letzten Jahren sehr verändert.

Mein Computer ist nach wie vor von Apple. Weil ich mit Max OsX am besten klar komme. Zwar sind wir sogenannten Pro-User seit dem iPhone sehr vernachlässigt worden, aber Windows war für mich noch nie eine Alternative. Ich sehe das Ganze rein pragmatisch: womit ich am besten klar komme, arbeite ich. „Emotionen“ empfinde ich bei solchen Geräten eh nie. Es sind halt schnöde Geräte, die einem Zeit rauben und Geld kosten. ;)

Nachdem mir das Gegängele von Apple ziemlich auf den Zeiger ging, habe ich im vergangenen Jahr den Schritt weg vom iPhone hin zum 120 Euro Samsung Android S3 Mini gewagt. Und bereits nach kurzer Zeit festgestellt: Ss geht sehr gut ohne Apple. Mittlerweile sogar besser. Termine, Kontakte etc synce ich nun via google-account. Das ist zwar auch ein Datenriese, aber seine Daten gibt man eh jedem.

Mit Android ist mehr machbar: SD Karte rein und Speicher erweitern. Einfach so. Dokumente, Filme und Bilder kann man einfach so runterladen und dort speichern, wo man will. Flash läuft auch und ich habe bis heute nur zwei Bezahlapps auf dem Gerät: Navisoftware und Rhino-Viewer (1,54 Euro). Nach und nach bemerkt man auch, wie viel mittlerweile iOs von Android übernommen hat. Und wenn ich die neuen iPhones sehe, denke ich oft: Denen gehen echt die Ideen aus.

Dazu kommt der Punkt Style. Abgesehen davon, dass die iPhones nun auch meines Erachtens irgendwie so aussehen wie Samsung oder Huawei, finde ich 2 Kilometer lange Schlangen und Leute, die vorm Apple Store campieren, nur noch peinlich. Apple Stores mutieren zu innerstädtischen Ballermanns. Nach Big Brother am Jungfernstieg das Zelt aufbauen… Will ich sowas haben?

Nachdem dieser Umstieg völlig reibungslos klappte, bin ich Anfang des Jahres auch vom iPad umgestiegen. Ich hatte vorher 3 iPads. Das erste iPad, iPad 2 und Mini. Allein der Umstieg auf diese Lightning Anschlüsse hat reichlich Geld gekostet. Alle Adapter und Reserve-Ladekabel neu kaufen etc. Nervig. Heute brauche ich nur USB Kabel. Funktioniert genauso. Und davon liegen hier einige rum.

Dazu muss man sich mit jedem Modellwechsel wieder ein neues Outdoor Case kaufen, weil die Gehäuse der Geräte ständig geändert werden. Deshalb habe ich mir im März ein Android Tablet gekauft, dass gar kein Case braucht: das Nep Tab 7.

Achtung: Ab jetzt kommt im Text ein Loblied.  Weil meine Erfahrungen mehr als gut sind. Wie gesagt, ich habe es ganz normal gekauft. Wer Werbung vermutet, sollte nun nicht weiter lesen.

Nach dem Auspacken des Tablets einfach seinen Google Account eintragen und alle Kontakte und Termine sind sofort auf dem Gerät. Man kann auch den Apple Calendar mit Google Calendar verbinden und so ist immer alles auf dem gleichen Stand. Genauso läufts mit den Adressbüchern.

Also 32 GB SD Karte rein, Apps drauf packen und fertig. Steckt man auch eine SIM Karte in das Tablet, kann man damit sogar telefonieren. Mit dem kostenlosen Smart Launcher kann man das Erscheinungsbild sogar so gestalten, wie man das will. Ich habe eine energiesparende und einfache Oberfläche im DIGGER Style gebastelt.

 

In den ersten Tagen ist mit aufgefallen, dass der Akku des Gerätes unfassbar lange hält. 4 Tage sind normal. 10 (zehn!) Tage mein Rekord.

Musik, Filme und Bilder ziehe ich mir einfach mit Airdroid vom MacBook auf das Tablet. Dazu muss man die kostenlose (natürlich) App aufs Gerät laden, Airdroid im Browser auf dem PC öffnen, mit der App den QR Code auf dem Gerät vom Bildschirm scannen und schon sind Rechner und Tablet verbunden und man kann ohne Kabel und ohne (Gott sei dank!) iTunes einfach Dateien verschieben. Super.

Nach einem halben Jahr, davon fast 3 Monate an Bord, sieht das Tablet noch aus wie neu. Es ist zig mal nass geworden, ich stand beim Segel setzen sogar mal unbeabsichtigt drauf. Wenn man mal auf etwas wütend ist, eignet sich das Nep Tab dazu, es an eine beliebige Wand zu werfen – es macht ihm nichts.

An Bord nutze ich es als Navi. Volle Helligkeit, Energiesparmodus aus, Bildschirmabschaltung aus – Akku hält 2 Segeltage. Unglaublich. Habe mir eine Verknüpfung und ein Widget auf einen Screen gelegt, so dass ich nach dem ankommen per Fingertipp (ohne im Menü rumzublättern) Wlan anschalte, GPS ausschalte, Energiesparmodus anschalte und so weiter. Simpel.

Mails, Kalender und Wetter habe ich mir auch als Widgets angelegt. Ich lese meine neuen Mails, ohne das Mail Programm zu öffnen einfach auf dem Homescreen. Sogar für die Taschenlampenfunktion habe ich nur ein Symbol zum ein- und ausschalten. Das ist viel übersichtlicher als ich das auf meinem iPad kannte.

Und die Display Auflösung? Ich habe schon bei meinem MacBook Pro gedacht: Sooo viel besser ist Retina auch nicht. Bei dem Tablet ist die Auflösung nicht die beste, die man kriegen kann. Im Alltag merkt man davon nix. HD Filme und Zattoo HD TV sieht auf dem Gerät super aus.

Und so tut nun ein Android Tablet an Bord seinen Dienst als Navi, Windmesser (vavuud), Wetterstation (yr.no), Fernseher (zattoo und tivizen), Musikplayer, Browser, Schreibmaschine. Man könnte es sogar zum Zwiebeln schneiden benutzen. Nass werden darf es. Man hat also nicht ständig Panik vor Regen und Gischt. Nur spielt die Touch Steuerung wie bei allen Geräten auch etwas verrückt, wenn Wasser drüber läuft.

P1090384
Wasser macht dem Gerät nichts aus. Nur die Touch Steuerung geht dann nicht mehr so gut

 

Preis des Gerätes: 499 Euro. Und damit billiger als alles andere, was ich vorher benutzt habe, schliesslich brauche ich weder Adapter noch Cases.

Seit ich letzte Woche mein Handy geschrottet habe, benutze ich das Tablet auch als Telefon. Und auch bei solcher durchgehender Nutzung habe ich es eben erst nach 5 Tagen wieder an das Ladekabel gehängt.

Und Apple? Vermisse ich das? Nein. Überhaupt nicht. Alles so wie vorher. Alles aber irgendwie flexibler und vieles auch besser. Ich habe nun Speicherkarten mit Filmen, welche mit Musik und andere zum Daten transportieren. Speicherplatz ist kein Thema mehr. Und kostet auch nur einen Bruchteil, als wenn ich mir ein 64 GB iPad kaufe.

Prädikat: Spart Geld, nerven und ist wertvoll. Ich bleibe nach dem langen Test bei Android. Letztens brauchte ich auf dem MacBook Speicherplatz. Deshalb habe ich mal geguckt, wie viele Apps von iPhone und iPad ich auf dem Rechner hatte: Es waren 88 Gigabyte. Ich will nicht wissen, was mich das an Geld gekostet hat. Ich habe sie gelöscht.

Stefan Bolz von Neptune hat es im heimischen Klo mal auf Dichtigkeit getestet:

[vimeo http://vimeo.com/89130096]

P1090387

 

 

 

 

12 Gedanken zu „Umstieg auf Android: Langzeittest“

  1. Ja, mit Apple hast du wohl Recht. Ich hab mein Iphone zum Ipod degradiert und nutze nun wieder mein uraltes Motorola Defy mini. Warum? Weil ich es hasse, mit Vibration geweckt zu werden. Apple hat es nicht geschafft, die Vibration einfach mal abschaltbar zu gestalten. Außerdem ist der Akku schlapp. Auswechseln ginge theoretisch schon, nur hat man dann nie die Gewissheit, dass das Iphone diesen auch akzeptiert. Ansonsten nutze ich mein Asus Pad, zur vollen Zufriedenheit. Dein ruggedized Pad finde ich auch nett, aber ein wenig zu teuer für meine Verhältnisse.
    Die Neptune-Seite ist aber klasse. Fallentaschen für 20 Euronen! Mit Klarsichttasche. Super! Und Winschencover. Und und und. Danke für den Link.

  2. Ich warte auch gerade auf das neue Samsung Note 4 um mein iPhone abzulösen… und bei der Display Größe brauche ich dann auch gar kein Tablet mehr. Danke für den Tipps im Artikel mit Airdroid – das werde ich dann auch in Kürze brauchen.

  3. Gute Beitrag.
    Beruflich möchte ich OSX nicht missen und benutze Für die Adobe CC suite einen fetten Hackintosh. Die gleiche Rechenleistung wie der neue Apple Sektkühler nur halb so teuer und besser zu erweitern.
    Ich fühle mich auch von Apple gegängelt. Obwohl ich seit 1992 am Mac arbeite fühlte ich mich nie als „Jünger“. Apple kommt mir langsam wie eine Sekte vor.
    Wenn man sich die uniformierten Jungs und Deerns in den Apple Läden anschaut… Alle in blau mit der albernen Halskette um.
    erinnert mich irgendwie an die Bagwan Sekte …

    Ich hatte noch nie ein Iphone sonder habe seit 2 Jahren ein HTC one als mein erstes Smartphone und bin sehr zufrieden damit.
    Das einzige Problem ist bisher die Synchronisierung der Termine und Kontakte zwichen Apple(Hackintosh) und dem Android Handy.
    Habe bisher syncmate benutzt. Aber es sind dann oft Kontakte und Termine doppelt drauf.
    Wie synchronisierst Du dein Apple Rechner mit deinem GoogleAccount?
    Ist dieses Airdroid auch dafür da?
    Das Tablet gefällt sehr. Werden die elektronischen Karten auch vom Hersteller aktualisiert?

  4. Ahoi Stephan,

    Danke für diesen ehrlichen Beitrag. Zugegeben, ich bin nach wie vor im Apple Universum gefangen. Aber dadurch habe ich so gut wie keine Administration bei den anderen Familienmitgliedern zu leisten. Apple nimmt dem „normalen“ Benutzer viel ab und funktioniert. Ob man es nimmt oder nicht kann ja jeder selbst entscheiden.

    Aber ich will hier keine Diskussion pro oder contra Apple oder iOS oder Android. Glaubenskriege haben wir seid den Kreuzzügen hoffentlich hinter uns gelassen.

    Was mich mächtig beeindruckt hat, ist die Hardware und die Akkulaufzeit. Ich frag mich nur, ob das Display groß genug ist, dass ich es von der Pinne aus ablesen kann. So kurz vor der 50 ist das mit dem Lesen aus der Nähe schwierig und auf die Ferne, da brauch ich schon ein Kino :-)

    Wie gesagt, ein tolles Gerät. Das könnte ich mir als „Navi“ auch vorstellen.

    Handbreit, der Segelmichel …

    1. Nein, das geht natürlich nicht, weil es zwei völlig unterschiedliche Systeme sind. Ich hatte auch gedacht, ich hkönne die Navionics Karten weiter nutzen. Schliesslich hatte ich sie ja für 1 Jahr bezahlt. Aber das machen die nicht. Muss man neu kaufen. Was blöd ist.

  5. Hi Stephan! Das lässt mich hoffen. Seit 10 Jahren bin ich „Apple clean“ und möchte es bleiben. Bisher hieß es allerdings, wenn ich Segler nach mobilen Lösungen gefragt habe, „das gibts nur für iOS“. Welche Software nutzt du für die Seekarten auf Android? Hast du auch für Radar eine App oder kennst eine (kannst vielleicht sogar was empfehlen)?

    Besten Dank & bis zur Hanseboot,
    Maddin

    1. Moin,

      ich nutze derzeit noch Navionics, stelle aber im Frühjahr um, weil dann eine neue NavigationsApp kommt. Ich werde die hier vorstellen. Das wird das Beste sein, was es bisher am Markt gibt, sowohl auf Android als auch iOs

      Radar? Nein, habe ich nicht. Brauche ich auch nicht, kann also nichts dazu sagen.

      Raymarine bietet alle Apps aber auch für Android und iOs an.

      1. Moin Digger,

        welche neue Navigations App kommt denn im Frühjahr 2015?
        Eine neue von Navionics oder wird es mal eine Androit App von isailor geben?

        Tiekay

        1. Nein, eine neue App. Darf ich noch nicht verraten. Habe dafür Input gegeben. Vorstellung wird eventuell sogar auf der hanseboot sein. Ich frage mal danach und schreibe dann hier, wie und wo.

  6. Seit Monaten schleiche ich schon virtuell um diese kleinenep-tab- Kiste herum. Stefan von neptune lieferte mir ja schon div. Fallentaschen an meine Haustür – wieso sollte ich ihn nicht mal wieder in meine Richtung locken? ;-))
    Vielleicht noch ein SUP dazu oder diese geile Flensboxx oder die LED strips….. dieser Laden könnte gefährlich für mich werden. Und kein Impfstoff in Sicht……

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.