Warum eigentlich kaufen?

Ein Boot zu besitzen, bedeutet Kosten und Arbeit. Lohnt sich das eigentlich? Oder soll man chartern?

Fast bei jeder Diskussion, bei der es um den Absatz von Booten geht, melden sich schnell Kommentatoren, die darauf hinweisen, dass chartern  viel günstiger ist. Das stimmt, allerdings nur, wenn man das Boot nicht oft nutzt. Und es kommt natürlich auch auf den Preis an.

Kauft man ein Boot für 100.000 Euro, dann muss man schon viel segeln, um das wieder rein zu holen. Schließlich kommen Winterlager, Liegegebühren, Wartung und Versicherung noch oben drauf. Segelt man nur drei Wochen im Jahr, lohnt sich chartern auf jeden Fall. Wenn man allerdings öfter zum Boot fährt und jeden Brückentag nutzt, geht die Rechnung irgendwann nicht mehr auf.

Beim Chartern ist es oft auch so, dass überwiegend große Boote angeboten werden. Kleinkreuzer wie bspw. bei Renz in Schleswig findet man nur selten. Große Boote jedoch kosten mehr Chartergebühren und so sieht man diese Schiffe oft mit großer Crew umherfahren. Für eine dreiköpfige Familie ist das zu teuer. Und dann nimmt man halt Leute mit.  Das wäre mein Ding nicht, immer mit 8 Leuten rumzukreuzen.

Aber natürlich: Chartern ist in der Regel günstiger.

Es gibt aber noch andere Aspekte, die für einen Kauf sprechen, abseits jeder monetären Vernunft: Das spontane Segeln gehen. Ich muss nicht im Winter schon festlegen, wann ich ablege. Ich kann spontan mal aufs Boot fahren, und sei es nur für ein Wochenende. Ich brauche auch nicht auf andere Leute zu warten, ob die Zeit haben. Dann segle ich halt allein. Ist wie dieses Jahr im Frühjahr das Wetter schon gut, kann ich jederzeit zum Boot und ein paar Tage drauf verbringen. Im Herbst ist es nicht anders. Ich muss auch nicht einchecken und keine Kaution hinterlegen.

Einfach mal los
Einfach mal los

Dazu weiß ich, was mich erwartet. Ich kenne mein Boot, mache es mir so, wie es mir gefällt. Ich muss mich nicht bei jedem Törn umstellen auf eine andere Leinenführung, andere Segel und andere Wohnräume. Ich weiss, wie sich das Boot fährt, wie ich anlegen muss und wann ich reffen muss.

Mein Zeug kann ich auf dem Boot lassen, wenn ich weg fahre. Ich komme ja wieder. Auch brauche ich nicht vor jedem Törn in den Supermarkt und Grundbedarf wie Salz, Kaffee und Wischlappen kaufen. Mein eigenes Boot ist wie meine Wohnung.

Das wichtigste jedoch ist und bleibt für mich: Ich kann spontan los. Das ist mir einiges Wert, denn das bedeutet Lebensqualität. Geld hat nicht immer Vorrang.

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15 Gedanken zu „Warum eigentlich kaufen?“

  1. Was meiner Meinung nach noch gegen das Chartern im allgemeinen und insbesondere hier im Norden spricht sind die unsicheren Wetterlagen.

    Wenn ich einen Dampfer gechartert habe und gerade zu dem Zeitpunkt zieht hier ein Tiefdruckgebiet durch dann habe ich die Arschkarte. Dann heißt es entweder im Hafen bleiben und sich ärgern oder Augen zu und durch.

    Genauso wenn man irgendwo eingeweht ist. Das Charterboot will zum vereinbaren Zeitpunkt am Stützpunkt sein. Bei meinem eigenen Boot kann ich es zur Not auch mal eine Woche in einem fremden Hafen liegen lassen und fahre mit der Bahn nach Hause und hole es eine Woche später…

    Und ein eigenes Boot ist ein zweites Zuhause und hat eine Seele, das kann kein Charterboot ersetzen.

  2. Ja. Wenn was kaputt ist, dann repariert man’s und beim nächsten Mal ist es dann halt heil. Kleine Reparaturen an einem Charterboot bemerkt der Vercharterer eh nicht – irgendwas ist ja immer rund wir mussten/ haben immer irgendwas repariert. Und – der Dreck auf dem eigenen Boot gehört einem ganz alleine. ;-)

  3. Diese Kontroverse ist, denke ich, der Hauptgrund warum heute immer weniger junge Menschen ein Boot kaufen. Charter lässt sich einfachen vorab berechnen und man kann ja immer noch einen Rückzieher machen. Und für nächstes Jahr braucht man sich ja auch noch nicht festlegen. Hobbies werden irgendwie immer rationaler denn emotionaler…

  4. In meiner Familie wird überwiegend gechartert. Wir sind die einzigen mit eigenem Boot – und auch die einzigen, die außerhalb der von langer Hand geplanten Charterwoche überhaupt aufs Wasser kommen.
    Aber: Auf unseren 20 Fuß zu viert Urlaub machen – länger als ein Wochenende, naja. Kann man machen, muß man aber nicht. Deshalb mag ich unsere Kombination: Was kleines, günstiges (!!), pflegeleichtes, eigenes. Und für den großen Urlaub kann man chartern.

  5. …. es gibt sicherlich ein Haufen Argumente für und gegen Charter.

    Übrigens habe ich noch nie gechartert und immer eigene Schiffe gehabt, ich weiß also durchaus wo von ich rede.

    Für potentielle Käufer gebe ich aber zu bedenken, dass mindestens folgende Kosten anfallen:

    – Liegeplatzgebühr Sommer
    – Liegeplatzgebühr Winter
    – Kaskoversicherung
    – Haftpflichtversicherung
    – Krangebühren 2x / Jahr
    – evtl. Anschaffung eines Trailers
    – Leihgebühr für evtl. nicht vorhandenes Zugfahrzeug
    – Reparaturkosten
    – Anschaffungs und Wartungskosten für alle Rettungsmittel ( Pyrotechnik, Rettungsinsel, Rettungswesten)
    – evtl.Wertverlust des Schiffes bei Wiederverkauf

    Das ALLES bezahlt der Vercharterer und Ihr habt nichts damit zu tun.

    Will man ein schönen Oltimer sein eigen nennen kommt noch dazu, dass die bis dato möglicherweise vorhandene Winterfreizeit nun einem „Holzbearbeitungshobby“ gewichen ist. Nun ist es bei uns natürlich so, dass wir seeeeehr alte, seeeeeeeehr pflegeintensive Schiffe haben. Mit einer neuen Bente ist man in dieser Frage sicher viel besser aufgestellt.

    Macht man sich das alles klar und man ist immernoch vom eigenen Boot überzeugt, dann ist es vermutlich auch die richtige Entscheidung.

    Bei uns (www.klassisch-am-wind.de) chartern viele jedes Jahr das selbe Schiff, die haben dann kein Problem mit Eingewöhnung und Handling.
    Und ohne die geringste Arbeit haben sie die Möglichkeit einen z.B. 71 Jahre alten Oldtimer zu segeln.
    Grundbedarf, wie Salz, Pfeffer, Wischlappen, Schwamm, Handtuch etc. ist da übrigens auch schon drauf ;-)).

    Aber richtig ist und bleibt: so richtig superspontan kann ich nur mit dem eigenen Schiff los, mit eben all den genannten Vor und Nachteilen.

    Gruß Mike

  6. Wir starteten mit einem eigenen Boot, weil wir gedacht hatten, es besser nutzen zu können. Reingefallen. Allerdings konnten wir lange Zeit auch nie die Urlaube langfristig sicher planen, von daher war auch Chartern nie eine Alternative. Außerdem bin ich in einem Selbstbauerverein sozialisiert worden, habe da überhaupt als Jugendlicher erst angefangen, mich an Handwerk heran zu trauen, die Winterarbeit gehört also mit zum „Gesamtpaket“ und zur Verantwortung für das Boot. Mittlerweile fängt bei uns die nächste Generation damit an, die Winterarbeit zu unterstützen. Das geht, weil das Boot klein genug ist und es für die Kinder interessant erscheint, damit in ein oder zwei Jahren ohne die Eltern losfahren zu können.
    Die Kapitalbindung bei einem gebrauchten 24′-Boot aus den 70er Jahren ist eh nicht immens. Die laufenden Kosten liegen im Bereich der Bus-Monatskarte oder eines KfZ-Stellplatzes. Ich muss dann auch nicht los, wenn das Wetter keinen Spaß macht oder es auf einmal eine tolle Urlaubsalternative gibt (Einladung von Freunden im Ausland etc.)
    Bei Berufstätigen sehe ich derzeit zwei Tendenzen – entweder Urlaube, die sehr langfristig geplant werden müssen, oder aber sehr hohe Flexibilitätsanforderungen. Für die letztgenannte Gruppe bietet der Chartermarkt wenig. Und um Kinder an das Segeln heranzuführen, halte ich ein eigenes kleines Boot für deutlich sinnvoller. Chartern kann man dann ja immer noch zusätzlich, wenn man möchte.

  7. Danke für diese Gedanken. Genau diese Frage treibt mich seit Längerem um. Einfacher wäre eine Entscheidung, wenn ich nicht im Münsterland wohnen würde (nächstes gescheit besegelbares Gewässer 2,5h Fahrt).
    Kosten auf der einen Seite und Spontaneitätsmöglichkeit auf der anderen Seite sind die beiden Häfen, zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann.Schon allein aus diesem Grund lohnt es sich immer wieder, hier einen fundierten Standort zu bekommen. Danke & Grüße,
    Freddy

    1. Ich kann dich genau verstehen. Stecke im gleichen Dilemma. Ijsselmeer liegt nah und doch so fern für ein eigenes Boot. Wohne in Aachen.

  8. Die fällige Entscheidung Kaufen oder Mieten läßt sich doch auf nahezu alles Gegenständliche erweitern und ist immer „irgendwie“ quer-, gegen-, hoch- und schönzurechnen.
    Wohneigentum kaufen oder mieten? Eigenes Auto oder Bahncard 100? Eigenen PC oder Internetcafe? Garderobe kaufen oder leihen? Urlaubseigentum oder Hotel? Bild kaufen oder in der Galerie schauen?
    Die Liste läßt sich beliebig fortsetzen und die Entscheidung zum Erwerb von Eigentum läßt sich schwer mit ökonomischem Controlling kombinieren.
    Jeder gibt sein Geld halt anders aus, garantiert nicht immer, sogar eher selten, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

    Eigentum schafft Freiheit und Unabhängigkeit von Dritten. Und das kostet halt und muß auch bewertet werden.

    Für wen rechnet sich schon ein eigenes Segelboot? Für mich jedenfalls nicht und trotzdem freue ich mich jeden Tag beim aufwachen erneut drüber.

    Gruß Guido

    1. Mein Controlling-Prof. hatte mal den schönen Satz:
      Wer sein Geld so rational verdient wie ich,
      der darf es auch vollkommen irrational ausgeben!

      Gefällt mir…

  9. Es kommt nicht nur auf die eigenen Ansprüche an, sondern auch wo und wie man wohnt. Eigenes Haus, sicheres Einkommen, Familie teilt das Hobby segeln? Man wohnt in der nähe zum Boot, eigenes Boot kaufen.
    Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen.

    Partner mag zwar mal segeln, aber nicht jedes Wochenende. Kinder haben eigene Freunde und mögen nicht ständig am Boot sein… Arbeitsplatz und oder Wohnung sind weit entfernt vom nächsten See oder dem Meer? Kein Stellplatz für Boot und Trailer, Wohnung in der Großstadt? Mieten oder chartern.

    Vor nicht all zu langer Zeit war ein Auto das Maß aller Dinge. Jeder wollte eins. Heute bei den Lebenshaltungskosten, Garage dazu, mit Boot und Trailer mindestens zwei, selbst eine Bente passt in keine normale Garage, da ist bei 5-7 Metern Schluss. Das muss alles berücksichtigt werden. Wohl ein Grund weshalb viele sich ein Auto teilen, vorwiegend in der Stadt.

    Geld ist sicher nicht alles, ohne Geld ist alles nichts. Reperaturen, Instandsetzung, laufende Kosten… wer das alles wuppen kann, ohne das ihn der Schweiß auf der Stirn steht… viel Spaß mit dem eigenem Boot. Eine Bereicherung im Leben ist es sicher!

  10. Danke für die vielen Kommentare und Meinungen.
    Einfacher werden die Überlegungen nicht und die Bente ist echt lecker…

    Die Wirtschaftlichkeitsrechnung kann man recht schnell anstellen:
    Unsere derzeitigen Charterkosten pro Jahr liegen sicherlich in der Größenordnung der laufenden Kosten für ein eigenens Boot.
    Den Wertverlust würde ich gar nicht mal so arg mit einrechnen, kommt halt auf das Boot an. Wirtschaftlich tut sich das eine gegen das andere also nicht sooo immens.
    Argumente für ein eigenes Boot stehen oben ja schon genug, die unterschreibe ich auch sofort. Und bei jeder Charter (ausser der letzten in Kroatien, da war alles perfekt :-)) denke ich auch jedesmal, ich will ein eigenes Boot. Die Probleme, die ich schon wieder hatte, wären bei einem eigenen Boot nicht aufgetreten.
    Zwei (bisher die für uns ausschlaggebenden) Argumente gegen ein eigenes Boot:

    • (mehr oder weniger) Reviergebundenheit. Ich genieße es sehr, einfach in den unterschiedlichsten Revieren zu segeln. Ohne großen Aufwand. Klar, eine Bente kann man trailern (siehe die Geschichte Autoknast in Italien), aber die Fahrt nach Kroatien hat mich schon mit 130 km/h tierisch angenervt. (Allerdings hätte ich dann endlich eine Begründung für einen Bulli, wegen der Zugkraft.)
    Aber wir segeln derzeit in der Regel mit 32 Fuß. Da sind die Trailermöglichkeiten eher begrenzt. Und Überführungstörns machen sicherlich Spaß, kosten aber Zeit und Geld.

    • Der psychologische Aspekt: Du hast ein Boot, also kümmer dich darum. Mach dein Urlaub dort. Fahr am Wochenende hin. (Wie Bananaboot schon sagte: 2,5h bis zum nächsten gescheit besegelbaren Gewässer.) Das schlechte Gewissen, wenn wir mal nicht zum Boot fahren und den Urlaub woanders verbringen wollen. Und dann satt am Revier werden.
    Gerade das letzte Argument sehe ich gerade bei Freunden, die ein (trailerbares!) Boot haben und gerne mal wieder guten Gewissens chartern wollen. Aber man hat ja was eigenes…

    Ich hasse Entscheidungen…. :-)

  11. Ja, die Sache mit den Entschedungen.

    Ich denke, das ist der Nagel, dem der Hammer auf den Kopf fällt.

    Es gibt noch eine Variante zwischen Eigner und Charter:
    Die Eignergemeinschaft.
    Haben wir gehabt, muss nicht wieder sein und hat uns letztlich zum eigenen Schiff geführt. Und das möchte ich nicht missen, denn neben all den vielen guten Argumenten, die bereits angeführt wurden, stellt für mich unser Boot einen Ort der Begegnung dar: Ich segele nicht nur mit der Familie, sondern mit Freunden, Kollegen. Und immer ist das Schiff dabei der Dreh- und Angelpunkt, wo die gemeinsame Action die Verbindung schafft oder festigt. Das war von vornherein so angelegt und das stelle ich mir mit irgendeiner Mietsache eher sehr schwierig vor, weil der spontane Zugriff auf das Boot nicht gewährleistet ist und, so eigenartig es klingt, die Identifikationsmöglichkeiten der Mitsegler nicht gegeben sind. Aber so ist es.
    Ich bereue unsere Entscheidung nicht und würde es immer wieder so machen….;-)

  12. Danke für den hilfreichen Beitrag. Meine Frau und ich haben lange diskutiert, da es schon immer mein Traum war ein eigenes Boot zu besitzen. Nun verstehe ich die Äußerung, das man statt 100.000 Euro auszugeben auch chartern kann. Jedoch könnte man sich auch günstig ein Gebrauchtboot kaufen. Gut das man im Internet schnell fündig wird.

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